Sorben/Wenden

Die Doppelbezeichnung Sorben/Wenden trägt der Tatsache Rechnung, dass sowohl der Begriff „Sorbe“ als auch „Wende“, obwohl sie das Gleiche bezeichnen, eine unterschiedliche Geschichte haben und auch verschiedene Selbstverständnisse mit sich führen. Beide Bezeichnungen beziehen sich auf ein und dasselbe slawische Volk, das in der Lausitz im Osten Deutschlands beheimatet ist. Sorbisch ist der wissenschaftliche Terminus für die Sprache, die als Obersorbisch und Niedersorbisch zur Gruppe der Westslawischen Sprachen gehören. Das Volk der Sorben/Wenden gliedert sich in die Obersorben mit Siedlungsschwerpunkt Bautzen und die Niedersorben mit Siedlungsschwerpunkt Cottbus. Letztere bezeichnen sich selbst meist als Wenden. Der Begriff kommt jedoch auch im sprachpolitisch gesehenen Übergangsgebiet der zwei Slawinen zwischen Weißwasser, Schleife und dem Hoyerswerdaer Gebiet vor. Beide Begrifflichkeiten sind historisch entstanden. „Sorbe“ (os. serb) ist die Eigenbezeichnung und „Wende“ die Fremdbezeichnung. Der Begriff „Wenden“, der u.a. auch die Wendlandwenden bezeichnet, geht auf die alten Germanen zurück. Diese benannten damit ursprünglich nichtslawische veneto-illyrische Stämme (u.a. in Slowenien und Oberitalien, daher z.B. Venedig) die in der Bronzezeit bis zur Zeitenwende in dem Gebiet zwischen den Germanen und Slawen ansässig waren. Nachdem diese nicht mehr existierten, ging der Begriff auf die Slawen über. Die römischen Chronisten Plinius und Tacitus berichteten von „vendi / venethi“, von denen, die außerhalb leben. Die Slawen, die sich eine eigene Staatlichkeit schufen, wurden nach dieser benannt (z.B. Polen, Russen). Die „Staatenlosen“ wurden weiter als „Wenden“ bezeichnet (z.B. die Slawen in Mecklenburg und Lausitz). Der fränkische Chronist Fredegar berichtete bereits 631/32 von den „surbi“, einer slawischen Bevölkerung zwischen Saale und Mulde. Die Sorben/Wenden sind die Nachkommen der Milzener und Lusizer aus dem Stammesverband der serby in der Ober- und Niederlausitz. Beide Begriffe existieren gleichzeitig und parallel. Unterschiede ergaben sich in den einzelnen Zeitepochen, Regionen und verschiedenen sozialen Gruppen. Nach Ende des II. Weltkrieges versuchte man den Begriff „Wenden“ aufgrund des diskriminierenden und abwertenden Gebrauchs im Dritten Reich durch „Sorben“ zu ersetzen. Dies schlug in der Niederlausitz und dem Übergangsgebiet fehl, da weder Historizität noch Empirie gebührend beachtet wurden. Mit „Sorben“ fühlten und fühlen sich nicht alle Angehörigen dieses Volkes angesprochen. Das deutet auf einen Wesenszug dieser Minderheit hin, der es überhaupt möglich macht, solche Untersuchungen anzustellen – ihre Traditionalität.


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