Männlich, schlau und gut - der Wissenschaftler in den Augen von Kindern
Das beneidenswerte Image attestierte den Wissenschaftlern eine erst küzlich veröffentlichte Untersuchung des Eurobarometers. Lediglich wenn es um Technologien mit hohem Missbrauchspotenzial geht, zweifelt der Durchschnittsbürger an der Redlichkeit und dem Verantwortungsbewusstsein der Forscher.
Doch
wie steht es mit den Kindern? Welches Bild haben sie von Wissenschaftlern?
Was wissen sie über ihre Arbeit? Welche Einstellung haben sie zu ihnen?
Um dies zu klären, habe ich in einer Grundschulklasse mit 30 Schülerinnen und Schülern (3. Schuljahr) ein kleines Experiment durchgeführt. Die Kinder bekamen drei Fragen zur schriftlichen Bearbeitung:
- Wie sieht ein Wissenschaftler aus?
- Was macht ein Wissenschaftler?
- Wie ist ein Wissenschaftler? Suche Eigenschaftswörter!
Und zu guter Letzt sollten sie einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin mit Buntstiften zeichnen
Wie
sieht er nun also aus, der Wissenschaftler? Er trägt einen weißen
Kittel (67%) und eine Brille (63%). Oft trägt er auch eine Schutzbrille
(13%) und Schutzhandschuhe (17%) und hat einen (langen) Bart (15%). Fast
immer (90%) wurde der Wissenschaftler als Mann gemalt, obwohl die Kinder
ausdrücklich darauf hingewiesen wurden, dass sie ebenso Wissenschaftlerinnen
zeichnen konnten. Dies taten jedoch nur 3 Schülerinnen.
Und wie ist ein Wissenschaftler so? Er ist vor allem klug (60%) und schlau (37%), ferner nett (17%) und gut (13%). Weitere Charaktereigenschaften sind mutig, freundlich, hilfsbereit, intelligent, raffiniert, neugierig, interessant, erfahren, erfinderisch, weise und großartig. Negative Eigenschaften? Fehlanzeige! Aus Sicht der Kinder gibt es keine.
Bleibt
nur noch die Frage, was ein Wissenschaftler beruflich so treibt. Hier zeigt
sich bereits bei den Kleinen das, was auch schon bei den Großen Anlass
zum Nachdenken gibt: Die Geisteswissenschaften werden nicht nur als weniger
wichtig angesehen als die Naturwissenschaften, nein - in der Wahrnehmung
der Kinder existieren sie gar nicht. Kein einziges Kind beschrieb oder zeichnete
einen Geisteswissenschaftler.
Die Haupttätigkeiten "Erforschen" (27%) und "Experimente machen" (30%) werden illustriert durch blubbernde, bunte Flüssigkeiten in Glasgefäßen und durch mit einem wilden Kabelgewirr verbundene elektrische Geräte. Wissenschaftler mischen Medizin, untersuchen Bakterien, beobachten Sterne, sie testen, prüfen und erfinden nützliche Dinge (z.B. einen Roboter oder einen Zaubertrank).
Ganz
wichtig jedoch: Wissenschaftler erforschen Tiere (24%)! Beispiel: "Er
studirt Tiere und er fängt Tiere und setzt an die Tiere einen Sender
an dann weis man wo das Tier imument ist." Oder: "Er hilft verlezten
Tieren." Oder: "Er beobachtet und fotografirt Tiere." In jedem
Fall ist er aber gut zu Tieren. Das dürfte mit ein Grund für sein
positives Image bei den Kindern sein. Da fällt es auch gar nicht mehr
ins Gewicht, dass ein Wissenschaftler manchmal auch eine weiße Maus "ziziert".
Es fällt
auf, dass die Vorstellungen von Wissenschaftlern stark durch das Fernsehen
und durch die Interessen der Kinder geprägt sind. Kinder schauen sich
Dokumentationen mit Tieren gerne an und dort werden die oben genannten Tätigkeiten
oft gezeigt. Doch auch Spielfilme tragen das Ihre bei. Wissenschaftler suchen
nämlich auch oft nach "alten Knochen und Fosilien" und "wollen
herausfinden, wie die Sauria gelebt haben". Hier lässt Jurassic
Park grüßen. Die unterschiedliche Medienpräsenz könnte
auch ein Grund für die Dominanz der Naturwissenschaften bei diesem Experiment
sein. Sie sind in Spielfilmen und der Werbung deutlich überrepräsentiert
- vom Erfinder bis hin zum Gerichtsmediziner.
Wie dem auch sei - freuen wir (Männer) uns über das hohe Ansehen, dass Wissenschaftler bei den Kleinen genießen und hoffen wir, dass es ihnen nicht gänzlich abhanden kommt, wenn ein Teil von ihnen in 10 Jahren ein Studium beginnt und an den Universitäten den Alltag in Forschung und Wissenschaft kennen lernt!
Wissenschaftler
genießen ein gutes Image - bei Erwachsenen. Aber welches Bild haben
Kinder von Wissenschaftlern? Martin Gründl hat sich in eine Grundschulklasse
gesetzt und nachgefragt. ...

