GRE und TOEFL
Überall hört man die kurze Nachfrage - auf der Strasse, an der Ladentheke, in der Mensa Für den Europäer klingt es anfangs etwas oberflächlich, aber es stellt sich doch schnell heraus, dass man auch bei ausführlicheren Antworten keineswegs verstört angeschaut wird: Ungezwungenes Auftreten ist in den USA Teil des Alltags, erfrischend der Gegensatz zur gestrengen Konvention in manch europäischen Ländern.
Aber ein Studium in den USA bringt auch andere Erkenntnisse und Vorteile mit sich, die in dieser Form etwa in Deutschland nicht geboten werden. Wer als "graduate student" an einer amerikanischen Universität im Promotionsstudiengang eingeschrieben ist, erfüllt im wesentlichen dreierlei Aufgaben: Zum Einen ist man selbst Student und besucht die Kurse, die für den Abschluss vorgeschrieben sind. Zum Zweiten arbeitet man als so genannter "research" oder "teaching assistant" und wirkt in der Forschung oder. Lehre mit (als "teaching assistant" etwa begleitet man in der Regel die Vorlesung eines Professors oder gibt selbst Seminare für die "undergraduate students"). Und schließlich plant und führt man seine eigene Forschung durch, die im Rahmen des Masters- und späteren Dissertationsabschlusses fester Bestandteil des Curriculums ist.
Als Student mit einem deutschen Diplomabschluss kann man sich für das amerikanische "graduate program" bewerben. Dies endet mit der Verleihung des Doktorgrades und dauert von Fach zu Fach und Uni zu Uni verschieden lange, in der Regel länger als drei Jahre, wohl in den wenigsten Fällen bis zu sieben Jahre. Amerikanische Studenten haben zum Zeitpunkt der Bewerbung ihr "undergraduate" Studium mit dem "Bachelors Degree" absolviert, das vier Jahre dauert. Manche "Graduate Programs" bieten auch einen Zwischenabschluss an, den Masters (nach etwa zwei Jahren), der in der Qualifikation ein wenig das deutsche Diplom übertrifft. Deswegen wird der komplette Masters auch nur in den wenigsten Fällen erlassen, wenn man im "graduate Program" eingeschrieben ist, aber es lohnt sich zumeist, Teilerlasse zu beantragen. Dadurch kann man die Studienzeit, wenn einem daran gelegen ist, ordentlich verkürzen.
Für viele deutsche Studenten scheint ein (Promotions-) Studium in den USA unerreichbar zu sein, denn die meisten begnügen sich mit einem Praktikum, allenfalls einem einsemestrigen Aufenthalt, bei dem allerdings in der Regel kein amerikanischer Abschluss erworben wird. Dabei bedeutet die Zeit - vom Curriculum her gesehen - zumeist eine Verzögerung.
Der Grund für diese Zurückhaltung ist darin zu sehen, dass die meisten deutschen Studenten der Ansicht sind, sie bräuchten ein Stipendium um ihr Dasein in den USA zahlen zu können. Diese Ansicht ist jedoch nicht richtig.
Richtig ist zwar, dass deutsche Austausch- oder Förderorganisationen nur begrenzte Stipendien anbieten, und dass man sogar in der Regel gar nicht erst förderungsberechtigt ist, wenn man an einer amerikanischen Universität eingeschrieben ist und in Deutschland keinen Studentenstatus mehr besitzt.
Das ist jedoch ein schöner Grund, anderweitig aktiv zu werden - man kann sich direkt bei einer amerikanischen Universität bewerben, die, wenn sie eine Bewerbung annimmt, die kompletten Studiengebühren für "graduate students" erlässt (Studiengebühren zahlen in den USA sowieso nur die "undergraduates" - die müssen allerdings oft umso tiefer in die Tasche greifen). Für den Lebensunterhalt zahlt die Universität das monatliche "Teaching/-Research Assistant" Gehalt, mit dem man in der Regel gut auskommt.
Wie nun bewirbt man sich an einer amerikanischen Universität um einen Platz als "graduate student"? Voraussetzung ist ein "Bachelors Degree", das man mit einem Diplom allemal nachgewiesen hat. Voraussetzung ist ferner die Absolvierung des GRE Test (graduate record of examination), ein Einheitstest, der sprachliche, mathematische und analytische Fähigkeiten testet. Ausländer müssen zudem den TOEFL Sprachtest mit bestimmten Punktwerten bestehen.
GRE und TOEFL Test werden täglich in mehreren Zentren in Deutschland angeboten (nach vorheriger Anmeldung, www.ets.org) Manche Universitäten verlangen zusätzlich fachspezifische "subject-tests", die nur selten angeboten werden und um die man sich deshalb rechtzeitig kümmern muss. Vor allem das Abschneiden im GRE-Test, aber auch die Referenzen spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahlentscheidung.
Wichtig ist jedoch auch, dass man in seinem persönlichen Schreiben begründet, warum man an eine bestimmte Universität möchte. Dazu sollte man sich am besten einen Professor auswählen und vielleicht ein klein wenig mit dessen Forschung vertraut sein, das kommt immer gut an. Aber auch die Abschlussnoten auf dem Universitätszeugnis spielen eine Rolle. Anmeldeschluss für das jeweilige Einstiegssemester (Ende August, "fall term") ist meistens Anfang des Jahres (Januar oder Februar).
Alles klingt ein wenig aufwendig, aber die Mühe lohnt sich, denn wenn man es einmal geschafft hat, hat man gute Aussichten, ein ganz anderes Studentendasein zu führen, einen wichtigen Bestandteil im Universitätsgeschehen auszumachen und viele interessante Forschungsprojekte selbständig mitzugestalten.
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Zur Person
Ulrich Weger, 24, ist Mitgründer von sciencegarden und promoviert derzeit an der us-amerikanischen Universität Binghamton in Psychologie.


