Belit, Bekis und die anderen
Durch die sprunghafte Entwicklung in der Biologie, sei es in Bezug auf den genetischen Code oder das menschliche Gehirn, sind Wissenschaftler und Politiker plötzlich mit "schwierigen Fragen" konfrontiert. Und wenn es schwierig wird und die Fragen ernst - so der Philosoph Gernot Böhme - dann kommt die Ethik ins Spiel. Denn erst wenn die alltäglichen Üblichkeiten überschritten werden, stellt uns das Leben auf die Probe: es ist dann nämlich zu entscheiden, was für Menschen wir sein und in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Das man inzwischen in der Wissensgesellschaft lebt, wissen wir spätestens seit Daniel Bell. Er beschrieb schon in den 1970er Jahren, dass unser Handeln und Leben zunehmend wissensabhängiger wird - und das wissenschaftliche Wissen spielt dabei eine zentrale Rolle.
Beispiel
Biowissenschaften. Hier müssen wichtige Entscheidungen für die
Zukunft getroffen werden, für die interdisziplinäres Wissen nötig
ist. Weltweit arbeiten Mediziner, Philosophen, Soziologen, Juristen, Theologen
und Biologen zu bioethischen Fragestellungen. Doch ihr Wissen steht als Fachdiskurs
meist nur den Einzeldisziplinen zur Verfügung. Nicht einmal auf der
Ebene der reinen Information wäre das Feld überschaubar, - gäbe
es eben nicht in Bonn jenes "Deutsche Referenzzentrum für Ethik
in den Biowissenschaften".
Nun existieren zu allen möglichen Themen Institute, Akademien, Fachbibliotheken und Agenturen, weil dies zur Ausdifferenzierung von Wissenschaft insgesamt gehört. Diplom oder Doktorarbeiten führen einen zu diesen Institutionen und lassen selten Begeisterung aufkommen, sie erfüllen einfach eine Dienstleistung.
Das
drze, versteckt in einer kleinen Villa in der Bonner Südstadt aber gibt
Anlass zum schwärmen. Schon der Besuch der Website führt einem
vor Augen, dass hier Personen am Werk sind, zu deren Expertentum nicht nur
Detailkenntnis gehört, sondern auch die Fähigkeit wissenschaftliche
Informationen an eine interessierte Öffentlichkeit zu vermitteln. Der
Geschäftsführer des Hauses, Dr. Teuwsen, ist nicht nur promovierter
Philosoph, sondern auch erfahrener Journalist und dies wird wohl zur hohen
Kommunikationsfähigkeit des Referenzzentrums beigetragen haben.
Im drze kann man sich umtun, auch ohne bereits Experte zu sein. Informationen beispielsweise zur Präimplantationsdiagnostik, zum therapeutischen Klonen oder zur Sterbehilfe werden nicht nur als Kurzinformationen verständlich präsentiert, sie können auch als anspruchsvolles Dossier zur Verfügung gestellt werden. Die Bereitstellung von Informationen geschieht auf allen Anforderungsniveaus, vom Expertenreader bis zu Materialien für Schulprojekte. In einem Veranstaltungskalender findet sich (fast) alles von internationalen Fachtagungen wie der "Bio-Tech" in Israel bis zum Vortrag im Haus der Kirche in Bad Herrenalb: "Wenn Leib und Seele fasten".
Nicht zuletzt bietet das drze Kunden die Möglichkeit, neben Sachstandsberichten, Dossiers, Bibliographien auch generelle fachliche Beratung anzufordern. Die Bibliothek mit 5400 Büchern und über 80 Zeitschriften, PC-Arbeitsplätzen und Kopierern bietet alles, was sich Jungforscher wünschen. Wer dann am Abend in der Bonner Cinemathek Filme aus der WDR Reihe "Philosophie heute" zum Thema Bioethik anschaut, der hat vielleicht das Glück, den Mitarbeitern des drze zu begegnen, die solche und ähnliche Veranstaltungen oft moderieren und zur Diskussion einladen.
Und wer jetzt noch an einer Forschungsreise nach Bonn zweifelt, kann sich auf der Website des drze vorab virtuell durch die Bibliothek führen lassen.
Mit solchen Referenzzentren wird einem, auch bei "schwierigen Fragen" einiges an Angst genommen, welche die Wissensgesellschaft mitunter auslöst.
drze
steht für "Deutsches Referenzzentrum
für Ethik in den Biowissenschaften". Das Institut ist der
Universität Bonn angegliedert.
Links zum Thema
- Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften
- "Forschungsstelle für Ethik und Wissenschaft im Dialog" am Philosophischen Institut der Universität Wien
Literatur
- Gernot Böhme: Ethik im Kontext. Über den Umgang mit ernsten Fragen. Suhrkamp, Frankfurt/Main: 1997
- Tom L. Beauchamp und James F. Childress: Principles of Biomedical Ethics. New York, 4. Auflage 1994
Die Ethik
hat Konjunktur, weil die Biologie Fortschritte macht. Den großen Informationsbedarf
zur Bioethik deckt das "Deutsche Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften" (drze)
in Bonn - und besser kann man es kaum machen ... 

