Joulupukki mag gern Glögi
Liebe Kinder, als ich so alt war wie ihr, wollte ich immer Weihnachtsmann werden, das stellte ich mir lustig vor. Nur ein paar Tage im Jahr auf Weihnachtsmärkten rumstehen, Geschenke verteilen, Glühwein trinken, eine rote Nase haben, Kinder auf den Schoß nehmen, alberne Geschichten erzählen und immer die schärfsten Engel in Reichweite.
Doch dann erfuhr ich, dass ich als Weihnachtsmann das ganze Jahr über im kalten Finnland sein muss, genauer: im trostlosen Rovaniemi am Polarkreis, wo das halbe Jahr kein Licht scheint. Denn dort hat der Weihnachtsmann seine Station. Es gibt dort zunächst das Postamt des Weihnachtsmannes. Da kann man auch im Sommer den Weihnachtsmann besuchen, finnisches Kunsthandwerk erstehen, träge Rentiere begaffen und Weihnachtspostkarten verschicken. Der Weihnachtsmann gibt sich dann höchstpersönlich die Mühe, jede Postkarte mit einem Weihnachtsmannstempel abzustempeln. Leider ist der Weihnachtsmann aber überlastet. Als ich mal eine Geburtstagskarte aus Rovaniemi abgeschickt habe, hat sie mehr als vier Wochen benötigt, kam dafür aber fast pünktlich zu Weihnachten an. Außerdem kann man noch lustig über den gepflasterten Polarkreis springen und sich ein Ich-bin-über-den-Polarkreis-gesprungen-T-Shirt kaufen.
Wer
es kommerzieller mag, geht acht Kilometer weiter in den Santapark. Im Santapark
wohnt der Weihnachtsmann auch. Hier allerdings in einer unterirdischen Höhle
und auch nur von November bis Januar und vom Juni bis zum August. Im Santapark
kann man eine Menge lernen. Wie stellt man Pfefferkuchen her, wie repariert
man altes Spielzeug, wie sieht es in der Wichtelschule aus? Man kann weben,
Steine bemalen und etwas über Rentiere erfahren. Außerdem kann man auch auf
Rentieren reiten und Schlitten fahren, besonders beeindruckend für skandinavische
Kinder. Der Hubschrauber des Weihnachtsmannes darf natürlich nicht fehlen,
ebenso wenig wie das Restaurant Glögi. Glögi ist übrigens die Bezeichnung
für die finnische Version des Glühweins mit viel Wodka. Wer zuhause nicht
genug Platz hat, kann in der Höhle auch mit 800 seiner besten Freunde Geburtstag
feiern.
Wer will, kann dem Weihnachtsmann Briefe schreiben, die garantiert beantwortet werden. Die Adresse lautet: Santa Claus Office, FIN-96930 Arctic Circle, Finnland. Das geht allerdings auch in Deutschland. Wenn ihr Post vom deutschen Weihnachtsmann haben wollt, schreibt ihr bis zum 15. Dezember an Herrn Weihnachtsmann, Weihnachtspostfiliale, 16798 Himmelpfort. Der finnische Weihnachtsmann ist übrigens auch per email zu erreichen, der deutsche nicht.
Übrigens: Wenn ich Weihnachtsmann wäre, würde im Internet die Adresse weihnachten.de nicht auf die Seiten von Quelle führen, meinem Kollegen, dem Osterhasen, würde ich dabei helfen, dass ostern.de nicht auf die Seiten von Baur führt. weihnachten.com führt zu weihnachtsmarkt.de, wo man sich immerhin über Weihnachtsmarkttermine informieren kann. weihnachtsmann.de ist zwar als Adresse vergeben, nicht jedoch mit Inhalten gefüllt. weihnachtsmann.com hingegen bietet nett verpackten Inhalt, man kann sich sogar Weihnachtsgeschenkpapier ausdrucken. Auch an weihnachten24.de muss noch stark gearbeitet werden. christmas.com will zwar auch verkaufen, bringt einen aber auch in Weihnachtsstimmung.
weihnachtsbaum.de und weihnachtsgans.de bieten Weihnachtsbedarf an, letztere mit Fotos, die mich beim knusprigen Ganter am Festtag sicher eine leise Träne vergießen lassen werden. Viel lustiger ist da schon weihnachtshase.de, endlich mal ein neuer Gedanke, großartig.
Aber bevor ich hier ganz der Euphorie verfalle, noch etwas zu der Entscheidung, warum ich nicht Weihnachtsmann geworden bin. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Weihnachtsmann akzentfrei Deutsch spricht. Egal, in welchem Land ihr lebt, der Weihnachtsmann spricht immer perfekt die Sprache der Kinder. Die Finnen sind ja sprachbegabte Leute, für mich war das eine unüberwindbare Hürde. Um die Sprachkenntnisse eures Weihnachtsmannes zu testen, könnt ihr ihn ja mal fragen, was Weihnachten auf Arabisch heißt, oder auf Türkisch. Seine Antwort könnt ihr dann im Internet überprüfen in genau 26 Sprachen.
Auf finnisch heißt Weihnachten "Joulu" und der Weihnachtsmann heißt "Joulupukki", was eigentlich Weihnachtsbock bedeutet. Und dieser Bock ist sprachlich genau der Bock, den man zum Gärtner machen kann oder auch der Bock, der sich um das horizontale Gewerbe kümmert, er hat ja viel Zeit. So, liebe Kinder, nun wisst ihr also auch, was der Weihnachtsmann im Sommer macht, denkt daran, wenn ihr demnächst über den Weihnachtsmarkt geht.
Was
macht eigentlich der Weihnachtsmann im Sommer? Was macht er in Finnland?
Was macht Weihnachten im Internet? Mehr vom Onkel Olaf ... 