Literatur

Der Große Frost

"Der Große Frost war, so erzählen uns die Historiker, der strengste, der diese Inseln je heimsuchte. Vögel erfroren mitten in der Luft und stürzten wie Steine auf die Erde. Zu Norwich wollte eine junge Bauersfrau in ihrer üblichen robusten Gesundheit die Straße überqueren und ward von Zuschauern gesehen, wie sie sich vor aller Augen in Pulver verwandelte und als ein Staubgewölk über die Dächer verwehte, als der eisige Sturm sie an der Straßenecke traf. Die Sterblichkeit unter Schafen und Rindern war enorm. Leichen froren ein und konnten nicht von den Laken gezogen werden. Es war kein ungewöhnlicher Anblick, auf eine ganze Herde von Schweinen zu stoßen, die unbeweglich auf der Straße angefroren waren. Die Felder waren voll von Schafhirten, Pflügern, Pferdegespannen und kleinen, Vögel scheuchenden Jungen, alle erstarrt in dem, was sie gerade getan hatten, der eine mit der Hand an der Nase, ein anderer mit der Flasche an den Lippen, ein dritter mit einem Stein, den er erhoben hatte, um ihn nach einem Raben zu werfen, der wie ausgestopft kaum einen Meter von ihm entfernt auf der Hecke saß. Die Strenge des Frostes war so außerordentlich, dass manchmal eine Art Versteinerung erfolgte; und es wurde allgemein angenommen, dass der große Zuwachs an Steinen in einige Teilen Derbyshires nicht auf einen Vulkanausbruch zurückzuführen war, denn es gab keinen, sondern auf die Verfestigung unglückseliger Fahrensleute, die im wahrsten Sinne des Wortes dort, wo sie gingen und standen, zu Stein geworden waren."

Virginia Woolf: Orlando. Eine Biographie. S. Fischer, Frankfurt/Main 1990, S. 25 f. (Zuerst 1928).  

Buddenbrooks als Dallmayr Prodomo

Die großbürgerliche Welt von Thomas Manns "Buddenbrooks" ist uns heute so fremd wie ein vor Jahrzehnten dahingeschiedener Anverwandter. Dagegen sind auch die hilflosen Reanimationsversuche der Leiche, wie sie seit einigen Jahren unter dem Stichwort "Neue Bürgerlichkeit" betrieben werden, machtlos: Den ganzen Lebensumständen und damit auch den Sorgen, dem Empfinden dieser Zeit sind wir heute weit entrückt.

Die Frage, ob es sich also bei den "Buddenbrooks" um einen verstaubten Schinken handelt, den man besser in Großmutters Regal lässt, ginge dennoch fehl: Denn immerhin bringt er uns dem Verständnis dieser verlorenen Welt näher. Sehr viel mehr aber auch nicht, auch wenn das zu behaupten nach der hundertjährigen Kanonisierung des Romans ein Sakrileg ist.

Durchaus hätte man aber dem Stoff mehr abgewinnen können als seine neueste Verfilmung, die heute in die Kinos kommt. Die "Buddenbrooks" hätten weitaus Besseres verdient, als vom Regisseur Heinrich Breloer auf das Schamloseste in weichgezeichneten Schnulzen-Szenen, die auch für Dallmayr Prodomo hätten werben können, verwurstet zu werden.
Zahlreiche Romangestalten fehlen gänzlich, die Verbliebenen verkommen im Film zu menschlichen Abziehbildern, im schlimmsten Fall zu lächerlichen Karrikaturen. Überhaupt stampft Breloer die feine Ironie Manns mit dem Presslufthammer platten Humors ein oder gibt sich gleich völlig humorlos. Ebenso werden die zentralen Dialoge des Romans oft auf Plattitüden eingedampft, einige blödsinnige Änderungen geben dem Romanstoff den Rest.

Der mit 16 Millionen Euro teuerste deutsche Film ist an aufwendigen Kostümen und Kulissen reich staffiert, geht aber an inhaltlicher Leere zugrunde. Ungewollt hat Breloer damit der "Neuen Bürgerlichkeit" ein passendes Denkmal gesetzt: Nach außen hin schillernd, nach innen hohl.

"Buddhistische Stille" im Kino

In einem Dokumentarfilm über die buddhistische Stille sollte nicht nur lautstark gesprochen werden. Leider ist das der Fall, auch wenn zwei Nonnen und vor allem der Hamburger Oliver Petersen sehr kluge, buddhistisch fortgeschrittene Einsichten äußern. Aber das (in mäßiger Tonqualität) andauernde lautstarke Reden einiger Protagonisten treibt die Zuschauer entweder aus dem Kino oder spricht vielleicht gerade die Teilzeitbuddhisten an, denen die Religion eine hippe Anti-Stressmethode ist. Spirituell ernst genommen ist der Film ärgerlich: Der Dalai Lama kommt als lachende, aber sonst ganz inhaltsfreie Kultfigur vor, in verwackelten Handkamerabildern. Ihn sogar bei der Meditation filmen zu wollen, wird zur touristischen Peinlichkeit. Viele der Interviewten sind so sehr mit dem eigenen Ich beschäftigt, dass es unangenehm wird: Ein zentrales Anliegen im Buddhismus ist doch gerade die Überwindung dieser egozentrischen Fixierung! Hinzu kommt noch, dass die Ästhetik des Films eher am Fernsehen orientiert bleibt; eine Ebene avancierter Bildsprache ist schlicht gar nicht vorhanden. Und nach einem Meisterwerk wie "Die große Stille" über ein Karthäuserkloster fällt dies schmerzlich auf. Angesichts eines zeitgeistinkompatiblen Wertes wie "Geistesruhe" ist der zeitgeistige Dokumentarfilm über Buddhisten unerfreulich. Der Film vermittelt jedenfalls nicht, worum es geht. Es ist also angeraten 5,40 Euro zu investieren in ein hervorragendes Reclam-Bändchen, das in den Buddhismus einführt. Und natürlich: Sich selbst einmal an buddhistischer Meditation zu versuchen.

Schrecksenmeisterlich belesen!

Nur eine Buchseite von Walter Moers reicht aus, um zu belegen, dass es sich um einen großartigen Autor handelt. Seine Bücher sind unterhaltsam, lustig, wunderbar illustriert. Aber das sind auch andere. Nur: Wo finden sich auf einer ersten Seite eines Fantasie-Unterhaltungsromans so viele intertextuelle Verweise, dass auch festen Anhängern der E-Literatur die Knie weich werden? Nehmen wir als Beispiel Moers "Schrecksenmeister". Abgesehen vom Motto, welches die Hexen von Macbeth oder auch Goethes Hexen aus Faust in Erinnerung ruft; Hauptfigur und Kapitel heißen "Echo". Eine "Kratze", eine zamonische Variante von Fritz the Cat? Echo, eine Figur aus der antiken Sage, die dazu verdammt ist, die letzten Sätze des Satzes des Geliebten zu wiederholen. Bei Moers wird Echo schon auf Seite eins zum Waisen -- alle Waisen der Weltliteratur lassen also grüßen. Der erste Satz lautet: "Stellt Euch den krankesten Ort in ganz Zamonien vor!", der erste Satz aus Rilkes Malte Laurids Brigge lautet: "So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier." Und so geht es, bei Moers und Rilke, weiter: Krankheiten werden geschildert, bei Rilke: "Ich habe gesehen: Hospitäler, Ich habe einen Menschen gesehen, welcher schwankte und umsank." Bei Moers und Rilke werden dann die morbiden Gerüche geschildert, Jod und Tod bei beiden. Dieser Ort heißt bei Moers "Sledwaya", und da fällt einem zumindest zweierlei ein: zum einen "Seldwyla", wo Gottfried Keller seine Geschichten spielen lies. Mit Keller denkt man an dessen Hauptwerk, dem Grünen Heinrich -- einer Untergangsautobiographie eines Künstlers! Zum anderen denkt man aber auch an "Suleyken", in dem Siegfried Lenz seine lustigen masurischen Geschichten ansiedelt. Wahrscheinlich fände ein wahrhaft belesener Mensch (Peter von Matt?) noch dreihundert Anspielungen mehr. Auf der ersten Seite. Eines Fantasieromans!

Lesen!

Ab heute sind die ersten Bände der neuen "edition unseld" im Handel
erhältlich. Inhaltlich ist den acht Werken gemein, dass sie als Dialoge der
Geistes- und Naturwissenschaften geschrieben sind. Die Deutungshoheit rein
technischer und naturalistischer Weltsichten darf hinterfragt werden.
Schubladendenken wird Vorgebildete eher im Lesefluss hindern; kreatives
(Neu-)Denken
ist gefordert, nicht Einordnen in Altbekanntes.

Streitschriften sind dabei und Verteidigungsschriften. Zum
Beispiel ein pro-sozialistisches Manifest von Dietmar Dath, das wir in der
nächsten Ausgabe von sciencegarden ausführlicher rezensieren, und wenn es als
Maßstab für die anderen Titel der Edition gelten kann, verspricht diese viel
Zündstoff zu wichtigen Themen.

Wie es sich für Streitschriften gehört, sind die Bücher bezahlbar
(10 Euro), transportfähig (Maße: 11x17,5 cm) und mit höchstens 130 Seiten auch zügig (das heißt zwischen Jonathan Littell und Raoul Schrott,
nicht erst danach) lesbar.

Wer den Streitschrift-Schreiber Daht vorab persönlich für
den Sozialismus kämpfen sehen will, der schalte den Fernseher ein: Literatur im
Foyer „68 und kein Ende?“, sehr schön moderiert von Thea Dorn, wird am Freitag,
25. April um Mitternacht vom SWR und am Sonntag, 18. Mai, 10.15 Uhr von 3sat
ausgestrahlt. Unter anderen liefern sich Dath und Daniel Cohn-Bendit einen
erfrischenden Schlagabtausch (keine
lahme Gesprächsrunde). Letzterer tritt auf als paternaler Altehr-68er und
tut den Sozialismus als „völligen Unsinn“ ab...

Annekathrin Ruhose

Die Hörisch-Affäre...

...köchelt weiter. Gestern antwortete der preisgekrönte Buchautor Georg Klein auf den offenen Brief, den Jochen Hörisch als Reaktion auf die Rezension seines neuesten Buches durch den Literaturkritikers Burkhard Müller in der Süddeutschen Zeitung (nachzulesen bei buecher.de) per Mail an alle möglichen Kulturjournalisten verschickt und zur beliebigen Veröffentlichung freigegeben hat. Nun hat sich auch Müller selbst zu Hörischs harschem Brief geäußert.

Was zunächst wie ein berechtigtes Aufbegehren gegen die nicht immer gewissenhafte, manchmal selbstherrliche und egozentrische Kritikerkaste aussah und als Appell zu mehr Sachlichkeit und weniger persönlichen Angriffen auch meine Zustimmung fand, zeigt nun mehr und mehr befremdliche Züge.

Natürlich gibt es unter Kritikern schwarze Schafe, und nicht selten läuft die Herde den publizistischen Leithammeln nach, so dass anders lautende Bewertungen kaum mehr durchdringen. Das ist für den Autor bedauerlich.

Ein paar kritische Fragen an denselben drängen sich im konkreten Fall, der sich zur Affäre ausgewachsen hat, aber doch auf: Mindestens die, ob es klug war, in so scharfer Weise auf eine Buchkritik zu antworten, und das dann sowohl via Mailverteiler als auch durch die Aufzählung vermeintlicher Fehler des Rezensenten, die als Bumerang zurückkommen mussten - handelt es sich bei Müller doch durchaus um einen sachkundigen Sprachwissenschaftler!

Auch hat der für seine Polemik gefürchtete, aber meist geschätzte Hörisch den Ton schon besser getroffen. Ein astreines Eigentor hat er mit der Bezugnahme auf eine vier Jahre zurückliegende SZ-Kritik geschossen, die ebenfalls seinen Unmut hervorrief. Souveränität sieht anders aus.

Fazit: In der webbasierten Wissensgesellschaft ist Gegenwehr möglich, aber auch gefährlich. Das Internet vergisst nichts. Schlechte Kritiken genauso wenig wie missratene Reaktionen. Hörisch weiß, dass gerade die Wissenschaft von öffentlichen Diskussionen lebt. Daraus kann man in diesem und anderen Fällen nur den Schluss ziehen: Wer sich ihr in Buchform aussetzen will, sollte seine Gedanken mehr als bisher in Freundes- und Kollegenkreisen durchsprechen, bevor er sie drucken lässt. Darüber hinaus hilft nur Gelassenheit.

Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Autoren kämpfen gern gegen Verrisse ihrer Bücher. Wer mit den Autoren selbst spricht, der versteht warum: sie sind den Journalisten ausgeliefert und müssen auch persönliche Beleidigungen über sich ergehen lassen. Juli Zeh sagte einmal, dass sie sich über begründete Verrisse manchmal sogar freue. Wenn sich ein Fachjournalist ernsthaft auf ihr Buch einlasse und darlegt, was er misslungen findet, dann bereichert das Autoren und Leser. Der Kampf der Zeitungen gegeneinander und Antipathien gegen Autoren, die im Kulturbetrieb nicht mitspielen wollen, führen aber zu etwas anderem: persönliche Diffamierung, Beleidigung und vor allem sachliche Fehler erzeugen niederträchtige Buchkritiken. (Buchverlage kennen inzwischen sogar Anrufe der Anzeigenredaktionen, in denen angedeutet wird, dass positive Kritiken auch mit dem Schalten von Anzeige im Zusammenhang steht.) Gegen diffamierende Kritik wehrt sich nun entschieden der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch. Dankenswerter Weise bietet der Perlentaucher ein Forum für die neue Textgattung, in der Autoren die Kritiker kritisieren dürfen. Es könnte sogar sein, dass der Perlentaucher eine neue Art Pressedienst wird: einer, der die Macht der Großen durch seine unabhängigen Kommentare bedroht. Damit zeigt sich, dass das Internet ein Segen sein kann -- für Leser und Autoren. Journalisten hingegen zwingt es zur Sachlichkeit, weil eine Gegenrede möglich ist: www.perlentaucher.de/artikel/4562.html

Eine Idee, die sichtbar ist

Eigentlich hätten die Bücher erst im Jahr 2041 entdeckt werden dürfen. So liest man 1941 im Nachwort der Erzählung Tlön, Uqbar, Orbis Tertius von Jorge Luis Borges: "Wenn unsere Prognosen nicht irren, wird in hundert Jahren jemand die hundert Bände der Zweiten Enzyklopädie von Tlön entdecken". Es sind 50 Bände, der Autor muss ich geirrt haben. Ines von Ketelhodt und Peter Malutzki, beide etablierte Buchgestalter, haben sich von der dichterischen Fantasie gefangen nehmen lassen -- und haben diese Enzyklopädie erschaffen. Borges schrieb nur für fortgeschrittene Leser, die aber nun greifbare Enzyklopädie bietet zudem für Kunst-, Design- und Buchkunstkenner ein Glückserlebnis. In den 50 Bänden stecken 10 Lebensjahre harte Arbeit, zahlreiche gestalterische Ideen und natürlich: die Erzählung von Borges selbst. Jeder Band im Format 12,5 x 30 cm ist im Handsatz gedruckt und fadengeheftet. Er enthält jeweils nur ein Stichwort. Der Band "Air" zum Beispiel beschäftigt sich mit dem Element Luft, er enthält Texte von H.C. Artmann (und natürlich Borges), aufwändige Illustrationen und Fotos. Das Buch zu "Labyrinth" besteht aus Collagen reproduzierter Holzstich-Illustrationen, deren Druckplatten zweifach verwendet wurden. Im Zentrum jeder Seite ist ein rechteckiges Fenster gestanzt, insgesamt ergibt sich ein Doppellabyrinth. Vom einen zum anderen Labyrinth kommt man nur durch das Buch selbst, kein Weg führt hinaus. Für den Band zum Thema "Schatten" wurden schwarz/weiß Fotos auf einem Dachboden aufgenommen, die den nostalgischen Klischees gerade nicht entsprechen. Die Bände sind mit verschiedenen Drucktechniken auf unterschiedlichen Papieren hergestellt und schon eine Augenweide, bevor man nur eine Zeile liest. Ästhetik ist eben ein vorsprachlicher Eindruck. Borges hätte sich so vielleicht eine Enzyklopädie vorgestellt; die Buchkünstler haben jedenfalls eine Idee, eine bloße Fantasie sichtbar gemacht. Über den Preis der Bücher, die in einer Auflage von 40 Exemplaren erschienen sind, wurde Stillschweigen vereinbart (um es humorvoll auszudrücken) ... Bibliotheken in Frankreich, USA und Deutschland haben die Enzyklopädie aber schon erworben. Nur noch 12 Stück sind lieferbar. Und die bleiben für die meisten eher eine Fantasie, wie für Borges die Enzyklopädie selbst.

Großer Stil

Die Edition Akzente des Hanser Verlages ist eine Buchreihe im "großen Stil", soviel steht fest. Der gleichnamige Band mit den (wieder abgedruckten) Essays von Karl Heinz Bohrer ist zwar keine zusammenhängende, systematische Studie; aber sie machen deutlich, dass der Autor ein textübergreifendes Projekt verfolgt. Wie zu erwarten kommen die Deutschen nicht gut dabei weg, wenn der Autor, meist ausgehend von Friedrich Nietzsche, über Stilfragen nachdenkt. Karl Heinz Bohrer, der in Paris und London lebt, sieht seine Landsleute durch ein "Unvermögen zur Form" gekennzeichnet. Dies macht er auch an witzigen Beispielen deutlich, vor allem aber spürt er in der Literaturgeschichte bei den wenigen Ausnahmen nach, bei Heinrich Heine, bei Johann W. Goethe, Clemens Bretano und, immer wieder, Friedrich Nietzsche. Den Bohrer Fans ist dieser immer gleiche Kosmos des ästhetischen Denkers sehr vertraut; und sie genießen den eigenen Stil des Essayisten. Er schreibt zu provozierend für die Geisteswissenschaft, zu intellektuell fürs Feuilleton, steht Quer zu den politischen Lagern -- hat, um es kurz zu sagen: wahrscheinlich nur wenig Freunde. Aber seine Texte haben gerade deshalb eine treue Fangemeinde. Jeder wahre Leser kann von Bohrer viel lernen. Und durch die Lektüre seiner scharfsinnigen Essays, die auf den Zeitgeist keine Rücksicht nehmen, überwindet sich das Mittelmaß -- zumindest schon einmal im Lesesessel. Bei Bohrer zählt die Ästhetik, nicht die Moral. Die wenigen deutschen Autoren, die Bohrer gelten lässt, sind bald gelesen. Es bleibt also anschließend nur der Weg in die Buchhandlung; die französischen und englischen Autoren mit "großem Stil" sind da leicht zu erwerben: sogar in deutscher Übersetzung. Und wer auf Essays nicht verzichten will, der nimmt noch den Merkur mit.

Art of Walking

Wer zu viel gegessen, gelesen oder gehört hat, der dreht am besten eine Runde um den Block. Solche Verdauungsspaziergänge tun gut, und das scheint eine alte Weisheit zu sein. Christian Moser und zahlreiche andere Autoren verfolgen den Hang zum Spazieren, der die Dichter aller Zeiten zum Erzählen getrieben hat. (Und das erzählende Schreiben hat sie wieder zum Spazieren motiviert ...) Der von Axel Gellhaus und anderen herausgegebene Band "Kopflandschaften -- Landschaftsgänge" dokumentiert eine Tagung zur Poetik und Kulturgeschichte des Spaziergangs. Das Buch ist ordentlich lektoriert (worauf mancher Verlag leider verzichtet) und es enthält informative, ja spannende Beiträge. Es macht nicht nur große Lust auf die Lektüre der dichterischen Wanderungen, sondern erzeugt Kribbeln im Kopf und in den Füßen. Die Lektüre treibt einen vor die Tür zum (intellektuellen) Verdauungsspaziergang.

Neues im alten Medium

Nur die neuen Medien bieten noch Novitäten, oder? Nein, jetzt gibt es eine Neuheit in einem ganz alten Medium: in dem der Literatur. Es ist zum Trend geworden, dass Schauspieler die anspruchsvolleren Dichtertexte vorlesen, damit auch die anspruchsloseren (Ex-)Leser sie rezipieren können. Peter Kurzeck, eindeutig ein Autor, der in der Potter-Fangemeinde keinen Erfolg haben wird, bringt jetzt eine unerwartete Neuheit. Zusammen mit dem genialischen Supposé-Verlag hat er auf vier CDs einen Roman erzählt. Das Dorf seiner Kindheit ist nicht auf der Grundlage von Texten entstanden. Hier wird nichts vorgelesen, es ist das erste "Hörbuch" ohne Buchvorlage. Und, so die Kritiker: das ist vollends gelungen und faszinierend. Für die Novitätenverliebten: es ist zudem neu. (Eine Kategorie, die den Literaturliebhaber nicht interessiert. Aber Medienjunkies, die sich sonst der Literatur gar nicht erst widmen, haben jetzt ein zusätzliches Argument, dies vielleicht zu wagen.)
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