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Incompatibilty-Report

Es gibt Filme, die schüren auf krude Weise das Fernweh. Und es gibt andere, die skizzieren, wie schwierig der Ausbruch aus dem Gewohnten und das sich Einlassen auf ein fremdes Land sein können. „Ausgerechnet Sibirien“, der dieser Woche in den Kinos angelaufen ist, gehört zu dieser letzten Kategorie.

In der ersten Einstellung joggt die Hauptfigur Matthias Bleuel (Joachim Król) keuchend und ausdruckslos durch eine farblose Kulisse: Feldmark, Wohnsiedlung, als Soundtrack eine Erzählung über sibirischen Schamanismus vom tragbaren CD-Player. Und nicht nur die Technik, der Mann und der ganze Film scheinen seltsam aus der Zeit gefallen. Unschuldig-erstaunt kommentiert Bleuel den Verkauf des Ehebetts an ein schwules Pärchen mit „ist’n Doppelbett“. Vom Auftrag des Seniorchefs, von der Inhaberin der russischen Partnerfirma ein Foto mitzubringen, ist er sichtlich irritiert. Auf die titelgebende Dienstreise nach Sibirien geht er direkt vom vollvertäfelten Konferenzraum aus, ängstlich, aber vor allem teilnahmslos - im Kopfhörer stets die beschwörende Stimme der Schamanen-Erzählung. Den Elan und Tiefgang, die sich darin andeuten, dass Bleuel im Flugzeug russische Vokalen paukt, deutet der Film erst sehr spät aus.

Denn zunächst strandet der unbeholfene Charakter in Novosibirsk, wo ihm nur der Zufall in Gestalt seines ehemaliger Klassenkamerad Rolf (Armin Rohde) zum Ticket für den Weiterflug verhilft. Endlich in Ostsibirien angekommen, will er dann sofort in die Firma: „Ich muss mir doch einen Überblick verschaffen.“ Die Blicke, die der ihm zur Seite gestellte Dolmetscher Artjom (Vladimir Burlakov) und der Fahrer wechseln und wohl auch die Zeitverschiebung, nimmt das Klischee des deutschen Geschäftsreisenden dagegen gar nicht wahr. Stattdessen eröffnet er die Feier zu seiner Begrüßung mit einer hölzern-wichtigen Urkundenübergabe. Das passt natürlich so gar nicht zu dem feucht-tumultigen Familienfest, das sofort danach um ihn herum ausbricht. Und der Fehler wiederholt sich, sei es, dass Bleuel die Freude der Russen über kalifornische Orangen (und möglicherweise dahinter einen erfolgreichen Schwarzmarkt-Deal) mit „unprofessionell“ quittiert oder sich allzu sehr in Vorträgen zur Logistik und über andere Betriebsthemen ergeht. Dass die resolute Chefin und der restliche Clan ihn nicht aus dem Laden jagen, verdankt er allein Dolmetscher Artjom, der nicht nur übersetzt, sondern vor allem zusieht, kulturellen Missverständnissen durch mehr als bloß stilistische Anpassungen vorzubeugen. Auch Artjom stößt allerdings an seine Grenzen, als Bleuel von ihm fordert, noch einmal für ihn bei einer Hotline anzurufen: „Compatibility Report, das scheint es in diesem Programm gar nicht zu geben.“ Wie weit er damit über den Bildschirm des 90er-Jahre PCs hinaus deutet, ist dem Protagonisten offenbar nicht bewusst. Bleuel erscheint bis zu diesem Punkt der Story als Figur vor einer farbenfrohen Kulisse, mit der er aber nie wirklich in Kontakt tritt. Dieser Teil des Films endet dann auch mit einer Abschiedsfeier, die er übermütig zur Abrechnung mit den von ihm entdeckten Missständen in Sibirien nutzt. Würde der Film nun enden, er wäre eine misslungene, klischeereiterische Komödie mit tragischem Helden.

Doch immer wieder, nur in kurzen Episoden zuerst, tritt die Person Bleuel zum Vorschein, hypnotisiert von der Schamanismus-CD im Discman, fasziniert von einer Libelle, die in seinem Hotelzimmer zwischen den Scheiben der Doppelverglasung gefangen ist. Die Libelle ist bei den Schamanen ein heiliges Tier. Aus diesem dünnen Erzählfaden erwächst der zweite Teil des Films. Was bisher störend und harmlos, weil von Bleuel aus wie hinter Plexiglas, geschah, ist nun bedrohlich nah. Bleuel besteht darauf, der schamanischen Sängerin Saljana, die er auf einem Rummelplatz gehört hat, in deren noch weiter östlich liegende Heimat zu folgen.

Gemeinsam mit Artjom – und gegen dessen Rat – macht sich Bleuel in diesen Landstrich auf. Von ihrem Fahrer ausgesetzt, kämpfen sie zuerst darum, auf der wenig befahrenen Straße von jemandem mitgenommen werden und dann gegen Mücken. Als sie das Heimatdorf Saljanas erreichen, werden sie zwar freundlich empfangen, doch alle – von der alten Schamanin bis zu Artjom – trauen Bleuel nicht zu, in Sibirien seinen Mann zu stehen. Diese Zweifel teilt auch der Zuschauer, der in Bleuels Verhalten noch immer die Unbeholfenheit erkennt, die es ihm bereits bei den Textilleuten schwer gemacht hat. Jetzt allerdings ist sie ihm nicht mehr nicht bewusst oder egal, sondern peinlich, wie er Saljana gesteht. Der Film und sein Hauptcharakter nehmen also eine überraschende Entwicklung. Es gibt eine Odyssee, Konflikte und ganz am Schluss ein Happy End, dessen Erzählstränge alle ein bisschen zu gut zu einander passen.

Eine Klamaukkomödien-Roadmovie-Romanze also, in der die zu dick aufgetragenen Klischees ebenso wirken wie der Kontrast zwischen russischer Lebensfreude und deutscher Über-Aufgeräumtheit. Sehenswert ist aber vor allem, wie menschliche Konflikte, innere und äußere, ohne affektierte Distanz und ohne zu viel Psychologisierens über die Leinwand gehen.

Die vielleicht spannendsten Längen der Filmgeschichte

schilf.jpg„Alles, was denkbar ist, existiert“- davon ist zumindest Sebastian Wittig überzeugt. Fieberhaft arbeitet der Physikprofessor am Beweis seiner Theorie. Unterdessen verschwindet sein kleiner Sohn Nick von einer Autobahnraststätte, und ein mysteriöser Anrufer fordert Wittig auf, einen Mord zu begehen.
Regisseurin Claudia Lehmann gelingt es in „Schilf“, Juli Zehs genialen Thriller ebenso genial auf die Leinwand zu bannen. Die Story zweier befreundeter Physiker mit Widerstreitenden Theorien und Lebenseinstellungen erzählt sie geradeheraus und ohne viel Psychologisieren. Die fesselnde Spannung des Films entspringt aus den sorgfältig komponierten Wechseln zwischen den parallelen Welten, die Protagonist Wittig zunächst herbeitheoretisiert – und sich dann in sie verstrickt. Angst vor möglichen Entführern seines Sohnes und vor der Unmöglichkeit, sich mit seiner Theorie verständlich zu machen, lassen ihn dessen Verschwinden zunächst auch gegenüber seiner Frau verschweigen. Als diese aus dem Urlaub zurückkehrt und sie beide schließlich die Polizei verständigen, findet sich Klein-Nick wohlbehalten im Ferienlager wieder. Allerdings habe er geschlafen, „und dann war ich hier“.

Spätestens hier ist eine zweite Ebene im Film deutlich. Während die übrigen Protagonisten jeweils in einer Welt verankert erscheinen, hat Wittig offenbar Erinnerungen aus mehreren Paralleluniversen. Für den Zuschauer erscheint dies in der Bildsprache wie eine Psychose oder „einfach Überarbeitung“, wie seine Frau die peinliche Episode mit dem gar nicht verschwundenen Sohn kommentiert. Doch über diesen Schein normaler Verrücktheit legt die Regisseurin einen Schleier aus wohldosierten Filmeffekten – dünne Gegenstände, die sich als Trennlinie vor dem Hintergrund auflösen, Straßenmarkierungen unter dem vorwärts drängenden Auto, die mit englischsprachigen Bandaufnahmen zum Stroboskopeffekt hinterlegt werden, aber auch die üblichen Mittel des Thrillers.

Steht Klein-Nick noch neben seiner Mutter auf dem Bahnsteig, als Wittig in selbstberuhigender Tapferkeit seine Lieben verabschiedet? (Man weiß es nicht.) Und wie nahe wird Wittig der geheimnisvolle Schilf kommen, der ihm immer an den Übergängen zwischen den Welten begegnet? Gegen Ende des Films sehen sich beide in die Augen. Schilf offenbart Wittig seine Identität und endlich auch das Geheimnis hinter Entführung, nicht begangenem Mord und der Auseinandersetzung mit Freund Oskar über die Existenz der Paralleluniversen. In dieser Szene entfaltet sich die Poesie dieses Films zu voller Pracht. Schilf kommt Wittig näher, er geht in eindringlichem Reden auf den anderen zu und sie beginnen, wie im Kampf Kreise umeinander zu drehen. Doch, soviel darf man vorausnehmen: Schilf zieht keine Pistole, um in Hollywood-Manier dem Zuschauer einen Höhepunkt des Grauens zu bereiten. Er blickt – starr und seiner Mission bewusst – in Wittigs Augen, und diese blicken suchend, zweifelnd, aber kaum noch ängstlich zurück. Nach Hollywood-Maßstab hat „Schilf“ beträchtliche Längen. Man kann aber auch sagen, er hat eine eigene Sprache. Und die inszeniert perfekt die Komplexität des Sujets und lässt echte Spannung entstehen. Die vielleicht spannendsten Längen seit „Spiel mir das Lied vom Tod“.

«Die Mauer». Von allen Seiten

Buchcover Die Mauer

Müsste man einem entsprechenden Werk weniger als „großen Facettenreichtum“ bescheinigen, Verlag und Herausgeber hätten grundlegend etwas falsch gemacht. Tatsächlich schafft es Herausgeber Klaus-Dietmar Henke mit „Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung“, das geschichtsträchtige Bauwerk von allen Seiten zu beleuchten. Der bei dtv-Premium erschienene Band umfasst auf 468 Textseiten 29 Aufsätze, deren Spannweite von der weltpolitischen Einordnung über die Deutschlandpolitik in West und vor allem auch in Ost und die Kunst bis hin zur Erinnerungskultur reicht.

Dass „die Mauer“ eigentlich gar keine  Mauer war, erfährt der Leser gleich im einführenden Aufsatz des Herausgebers. Mit der bedeutenden Rolle des „Mauer“-Topos, um den es eigentlich geht, setzt sich Leo Schmidt auseinander. So waren es nicht zuletzt Überlegungen zur Außenwirkung, die die DDR-Spitze dazu brachten, statt der praktischeren Drahtsperren eine Mauer zu errichten – als „Symbol für Entschlossenheit – und auch für eine Dauerhaftigkeit, die zu diesem Zeitpunkt aber noch keineswegs beschlossene Sache war“, wie er darlegt. In der westlichen Welt hingegen sei die Mauer-Ikonographie mehr von dem Gedanken an ein Instrument zur Freiheitsunterdrückung verknüpft gewesen. Das von Schmidt erwähnte Foto des Unteroffiziers Conrad Schumann, der mit einem kräftigen Sprung den Stacheldraht überwindet, ist mir aus meinem eigenen, westdeutschen Geschichtsbuch geläufig.

Mehr als nur eine Ergänzung zu Schmidts Auseinandersetzung mit der bildlichen Sphäre ist die Gegenüberstellung der sprachlichen und medialen Stilisierungen der „Mauer“ in West und Ost durch Elena Demke. So lernt man als Nachgeborene, dass parallel zur leicht durchschaubaren Rede vom „antifaschistischen Schutzwall“ in der DDR in Westdeutschland mit ähnlicher Vehemenz die Figur des „Ulbricht-KZs“ bemüht wurde – und dies durchaus im Bewusstsein des vollen Bedeutungsumfangs. Demke erörtert aber auch, inwiefern der „antifaschistische Schutzwall“ die Fortführung der kommunistischen Ideologie und somit mehr als eine Augenblicksbildung war. Schließlich galt die Abschottung nach außen seit der Abkehr Lenins vom weltweiten Kommunismus-Export als probates Mittel beim „Aufbau des Kommunismus in einem Land“ – und alle Gegner dieses Vorhabens als „Faschisten“.

Damit ist Demkes Beitrag anschlussfähig an andere in dem Sammelband, die sich anstelle der Symbolik unmittelbar mit den ideologischen, vor allem aber den realen Hintergründen des Mauerbaus und der deutschen Teilung in der DDR auseinandersetzen. So macht Michael Kubina in seinem Beitrag „Die SED und ihre Mauer“ den ideologischen Hintergrund des Mauerbaus explizit, wenn er die Mauer als „Gefängnismauer zur Rettung des sozialistischen Experiments“ bezeichnet. Mit einer ausführlichen Erörterung verbindet er Ulbrichts Rechtfertigung für den „antifaschistischen Schutzwall“ mit Rosa Luxemburgs Menetekel von „Sozialismus oder Barbarei“. Beide seien von der Überzeugung gestützt, dass „Marxisten-Leninisten über die einzig ‚wissenschaftliche Weltanschauung‘ verfügen“. Die Umdeutung aller Vorteile des Westens in Chimären und Lockmittel verwundert vor diesem Hintergrund nicht.

Noch tiefer ins Innerste der DDR-Ideologie und vor allem der aus ihr resultierenden Politik dringen Thomas Lindenberger und Gerhard Sälter vor. Während Lindenbergers Aufsatz argumentativ brillant und in den Fakten detailreich nachzeichnet, welche alltäglichen Begrenzungen die mauergesicherte sozialistische Gesellschaft mit sich brachte, erörtert Sälter mit der gebotenen Nüchternheit, wie die SED Zivilisten – Verwaltungsmitarbeiter, Vorgesetzte und weitere – „gegen den inneren Feind mobilisiert[e]“. Das Ergebnis war, wenn auch von vielen DDR-Bürgern durchschaut und von nicht wenigen boykottiert, in Sälters Worten ein „ubiquitäres Grenzregime“. Gemeint ist damit nichts anderes als der berüchtigte Überwachungsstaat, den der Autor hier in den Kontext einer vom Regime gewollten Erziehung der Bürger zum Sozialismus im „geschützten Raum“ stellt.

Wenn auch niemals entschuldigend, so wecken viele Beiträge in „Die Mauer“ doch Verständnis – immer im Sinne intellektueller Nachvollziehbarkeit – für die Handlungen der DDR-Führung. Vertreten sind in dem Band außerdem zeitgeschichtliche Beiträge klassischen Inhalts, namentlich die Einordnung in das weltpolitische Geschehen durch Michael Lemke und die Erörterung der Rolle der DDR und Ulbrichts – ihrer Absichten und Handlungsspielräume – durch Manfred Wilke. Diese Aufsätze sind aber, wohl wegen ihrer Informationsdichte und impliziten Verknüpfung mit einem weiteren historischen Horizont, die am schwersten lesbaren des gesamten Bandes. Äußerst empfehlenswert, da ebenso komplex, aber mit einem Schuss Agenten-Thrill ausgestattet, ist dagegen Daniala Münkels Aufsatz „CIA, BND, MfS und der Mauerbau“. Wie es der Titel verspricht, geht es hier um die Einschätzungen der jeweils anderen Seite durch die Geheimdienste – und das gegenseitige Wissen um diese Einschätzungen. Dabei sticht auch anhand der quellengesicherten Fakten die gute Vernetzung und der leichtfüßige Zugang der Staatssicherheit zum Westen heraus, neben den Agenten, die für beide Seiten unvermeidlich die Bühne betreten. Aufschlussreich auch, dass die Regierungen selten auf ihre Spionagetruppen hörten – und sich nach außen unwissender gaben, als sie tatsächlich waren.

Die »Mauerkunst« eingerechnet, behandeln gleich sieben Beiträge den Umgang mit Mauerrelikten von der Wendezeit bis heute. Dass dieses Thema bis heute ideologische Kontroversen und schwer zu überbrückende Interessenkonflikten hervorruft, stellt Konrad H. Jarausch im Hinblick auf den ehemaligen Alliierten-Übergang „Checkpoint Charly“ in der Berliner Friedrichstraße kurz und bündig dar. Die volle Wucht der Auseinandersetzung um das richtige Gedenken, aber vielmehr noch um dessen Stellenwert gegenüber den praktischen Bedürfnissen von Anliegern, schildern Gabriele Camphausen und Manfred Fischer in „Die bürgerschaftliche Durchsetzung der Gedenkstätte an der Bernauer Straße“. Der im Stil eines Berichts verfasste Beitrag lässt die Turbulenzen geradezu spüren, die jeder Vorstoß der Bürgerinitiative, jeder offenen Brief eines Bundespolitikers und letztlich auch die Freigabe der benötigten Gelder durch die Politik verursachte. Die Erinnerungskultur scheint damit zurecht ein besonderes Anliegen des Herausgebers von „Die Mauer“ zu sein.

Alles in allem ist dem dtv mit „Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung“ ein vielfältiges, in seinen Einzelbeiträgen fundiertes Sammelwerk gelungen. Die Beiträge sind nicht strikt nach inhaltlichen Gesichtspunkten angeordnet, und aufgrund der hohen Informationsdichte und der Bandbreite des Gesamtwerkes empfiehlt es sich, seinen Inhalt in maßvollen Portionen zu genießen. Beiträge wie »Mauerkunst« und „Mauerrelikte“ bieten unter anderem Anhaltspunkte, sich vor Ort vertieft mit der Mauer und den mit ihr assoziierten Themen auseinanderzusetzen. Ansonsten eignet sich der Sammelband als Geschichtslektüre, die weit über das gewohnte Themenspektrum von Berlinblockade und Blöcke-Konfrontation hinausgeht, und in dieser schillernden Pose zu überzeugen weiß. Die Mauer. Von allen Seiten.

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Zweierlei Maß

Gewollt oder ungewollt, werden wir Einwohner Deutschlands derzeit Zeugen von Entscheidungen, die sich im Rückblick als historische Weichenstellungen herausstellen könnten: So wurde am vergangenen Freitag in Brüssel der Euro ein weiteres mal "gerettet". Griechenland wurden 109 Milliarden zugesprochen, der Währungs-Schutzschirm EFSF soll nun ausgebaut werden. Damit bröckelt der Damm immer mehr, der die "Währungsunion ohne politische Einheit" davor schützte, mit dem Einkommen der besser gestellten Staaten für die teils desolaten Haushalte des Rests einzuspringen. Bundeskanzelerin Merkel kommentiert laut Spiegel online lapidar: "Was wir in diesen Zeiten für Europa und den Euro aufwenden, das bekommen wir auf ein Vielfaches zurück."

Auf der anderen Seite steht nun seit dem 7. Juni dieses Jahres fest: Deutschland steigt aus der Nutzung der Kernenergie aus. Eine Entscheidung, die nicht nur wegen Fukushima längst überfällig war. Schließlich war sie am 14. Dezember 2001 schon einmal gefällt worden. Der "Ausstieg aus dem Ausstieg" durch Schwarz/Gelb dürfte wohl als einer der schlimmsten Siege des Lobbyismus gegen etablierte demokratische Entscheidungsverfahren in die Geschichte eingehen. Von denselben Politikern und weitergetragen von denselben Medien wie die Euro-Berichterstattung ist aber zur so genannten Energiewende vor allem Folgendes zu vernehmen: Sie wird Geld kosten - jeden Einzelnen, klar, und dann auch noch die Volkswirtschaft als Ganze!

Nun befürchte ich, dass die Mathematiker und Volkswirte recht haben, wenn sie prophezeien, dass wir alle für den Traum von nachhaltigen Strom tiefer in die Tasche greifen müssen. Tiefer auch als die 10 Euro pro Monat, die wir laut Umfragen beizutragen bereit sind. Aber sind wir nicht auch das Land mit der Technologieführerschaft in diesem Bereich? Und exportieren wir deshalb nicht jetzt und in Zukunft zahlreiche Ökostrom-Anlagen? - Dann bekommen wir das doch auch auf ein Vielfaches zurück. Oder wir messen mit zweierlei Maß!

Ökosysteme: Warnung vor dem Kollaps

2005 machte Jared Diamond mit einem populärwissenschaftlichen Buch Furore. Dessen Titel: Kollaps - warum Gesellschaften überleben oder untergehen. An einem Dutzend Beispielen - von Grönland bis zu den Osterinseln - führt Diamond vor, wie gerade stolze, vergleichsweise entwickelte Gesellschaften Opfer ihrer Umwelt werden. Dabei braut sich hinter dem Rücken der Betroffenen ein ökologisches Donnerwetter zusammen. Werden Warnzeichen offensichtlich, ist es in der Regel zum gegensteuern zu spät - der Kollaps nimmt seinen Lauf.

Einen kleinen Lichtblick könnten jetzt die Ergebnisse einer von der National Science Foundation geförderten Studie aus den USA in das finstere Szenario bringen. Das Forscherteam ging dabei in zwei Schritten vor: Zunächst wurden Raubfische in das Ökosystem eines Sees eingebracht. Diese verursachten "augenblicklich Angst" bei den kleineren Fischen im See, wie die Forscher feststellen. Diese wagten sich immer weniger vom schützenden Ufer weg und jagten somit immer weniger Wasserflöhe. Dies wiederum führte zu einer stark schwankenden Menge an Phytoplankton - der Nahrung der Wasserflöhe - in dem See.

Diese Beobachtung war Ausgangspunkt für den zweiten Schritt der wissenschaftlichen Arbeit. Mit mathematischen Methoden wies ein Wirtschaftswissenschaftler nach, dass sich kurz vor dem Kollaps auch andere Messwerte des Sees untypisch verhielten. Diese Unregelmäßigkeiten wertet das Forscherteam als Warnzeichen, deren Beachtung rechtzeitiges Gegensteuern und damit eine Rettung für bedrohte Ökosysteme ermöglichen könnte.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Große Datenmengen müssten über das betreffende Ökosystem gesammelt und laufend ausgewertet werden.

Quelle: http://www.innovations-report.de/html/berichte/umwelt_naturschutz/a_tale...

Kein Sexappeal

Cover Come in and burn out

Um ein Buch zu empfehlen oder von ihm abzuraten, muss die Rezensentin zunächst eines: herausfinden, an wen es sich wendet. Doch damit fängt das Problem bei „Come in and burn out“ bereits an. Das Buch aus dem dtv-Verlag wird im Untertitel als „Denglisch Survival-Guide“ beworben. Es soll also einer des Denglischen nicht mächtigen Leserschaft helfen, sich im Nebel der Sprachvermischung und -verwirrung zurechtzufinden. Und weil diese Aufgabe ja banal erscheinen könnte, teilen die Autoren Jan Melzer und Sören Sieg das vonihnen zu bearbeitenden Territorium in 15 Dialektgebiete auf – vom Teenie-Denglisch („Checker chillen“) über Business- („Broker traden“) und Politik-Denglisch („Spindoctors committen“) bis hin zum Everyday-Denglisch (People smsen). So weit, so witzig.

Die Kapitel zu den einzelnen „Dialekten“ sind in sich jeweils aufgebaut wie ein Sprachführer: auf die „Schlüsselbegriffe“, die
offenbar verinnerlicht haben muss, wer in der beschriebenen Subkultur punkten möchte, folgen Grund- und Aufbauwortschatz sowie eine „Konversationshilfe“. Wenn Hunderte Stichworte mit Lautschrift versehen, einem Eintrag wie ‚chillen‘ fünf „Übersetzungen“ mitsamt Beispielsatz zugeordnet sind und die Konversationshilfen mal trocken à la „Jugendliche beherrschen die Kunst der fast nonverbalen Konversation in Vollendung. […] Das Wesentliche bleibt ungesagt, vermittelt sich aber trotzdem.“
und mal parodistisch wie beim Aufblasen eines normalen Telefonats ins Business-Denglische daherkommen, fühlt man sich zunächst gut unterhalten.

Zumindest die Freude an der Beobachtungsgabe und wohl auch dem
Einfallsreichtum der Autoren bleibt auch beim Weiterlesen bestehen. Zumal die Autoren ihren Definitionsparodien bei Einträgen wie „bad bank“ eine beachtliche Dosis kabarettistischer Bissigkeit beimischen. Aber die Wiederholung der immer gleichen Leier, das Springen von Stichwort zu Stichwort und das damit
verbundene Einlesen in Mini-Texte, deren Ende den Lese-Flow alle paar Sekunden jäh unterbricht, mögen kein anhaltendes Vergnügen aufkommen lassen.

An dessen Stelle zwängt sich die zu Anfang bereits gestellte
Frage durch die Lücken im Lesefluss: Wer soll „Come in and burn out“ lesen und warum? Im Vergleich zu den Veröffentlichungen Bastian Sicks fehlen den Parodien von Melzer und Sieg der unmittelbare Realitätsbezug und der teilweise kreischende
Humor, den wohl nur das wirkliche Leben produzieren darf. Als Stilschule – die es wohl auch nicht sein will – reicht „Come in and burn out“ nicht heran an die von Wolf Schneider mit all seiner Autorität kommentierten Pannen der versammelten schreibenden Zunft. Und als populärwissenschaftliches Werk zum Sprachwandel und anderen linguistischen Phänomenen würde der wirklich interessierte Laie wohl eher Dieter E. Zimmers „Deutsch und anders“ in die Hand
nehmen.

So bleiben als Leserkreis diejenigen übrig, die wirklich
einfach nur wissen möchten, was ein „Shit point“, ein „Booker“ ist oder ein „Longseller“ ist. Wobei das immer noch die Frage offenlässt, ob wir diesen Wortschatz nurpassiv, also zur Verteidigung gegen eine Denglisch sprechende Übermacht, oder
aktiv zum Haus- und Businessgebrauch lernen sollten. Das Autorenteam wusste die Antwort auch nicht, und hat stattdessen je ein lesenswertes Schlussplädoyer „pro“ und „contra“ verfasst. Leider nicht, ohne zuvor in seiner „Sehr kurzen Theorie
der Denglifizierung“ eine maximale Anzahl von Theorien zum Sprachwandel falsch in Anschlag gebracht zu haben. Lesen? – Hineingucken, herausfinden!

Japaner nach Sachsen-Anhalt: Erste Übersiedler kommen in 2 Wochen

 

Aufgrund der sich verschärfenden Situation im Umkreis des havarierten Automreaktors Fukushima Daiichi hat die Bundesregierung ein großangelegtes Aussiedlungsprogramm angekündigt. Interessierte Bewohner Japans könnten sich ab sofort um einen Wohnsitz in Sachsen-Anhalt bewerben, so ein Sprecher. Nach Rücksprache mit dem alten und neuen Ministerpräsidenten des Landes, Wolfgang Böhmer (CDU) sei es gelungen, sowohl Wonungen als auch Baugrundstücke in dem Land kostenlos zur Verfügung zu stellen. Böhmer erhofft sich davon laut Presseerklärung einen "Aufschwung für die regionale Wirtschaft" und eine "kulturelle Bereicherung".
Die ersten japanischen Übersiedler werden Mitte April am Flughafen Halle/Leipzig erwartet.

Fukushima: Hintergründe und Aktuelles

Beim vom SAGE-Verlag unterstützten "Bulletin of Atomic Scientists" gibt es regelmäßig fundierte Hintergrundinformationen zur zivilen und militärischen Nutzung (bzw. dem angestrebten Bann) der Atomenergie. Außerdem berichtet ein Beobachter täglich aktuell über die Lage in Fukushima - allem Anschein nach ohne das inzwischen zur Phrase verkommene "kur vor der Kernschmelze":

http://www.thebulletin.org/

Wer bereit ist, kostenlos Probemitglied der SAGE-Online-Plattform zu werden, kann sich außerdem eine Analyse Michael Gorbatschows und weiterer Experten 25 Jahre nach Tschernobyl herunterladen:

http://bos.sagepub.com/content/67/2.toc

Zwei Seelen?

Wenn es tatsächlich zum Äußersten kommt, wird in mindestens einem Reaktor in Japan der Kern schmelzen. Atomkritiker sprechen in diesem Zusammenhang gern vom GAU. Und einige, sogar Medienvertreter frohlocken schon mit dem schlagenden Argument, das eine Atomare Katastrophe im japanischen Fukushima ihnen liefern könnte.

Dabei steht in Japan gerade vor allem das Leben von Menschen auf dem Spiel. Das, was immer auf dem Spiel steht, wenn es auch um die zivile Nutzung von Atomkraft geht. Und das, was auch die Atomkraftgegner eigentlich schützen möchten. Allein deshalb scheint jeder Zynismus, jeder Versuch, die Lage zu instrumentalisieren, unangebracht.

Stattdessen stellen sich Fragen. Was sind die Alternativen zur Atomenergie? Hier bei uns in Deutschland und in Europa. Aber auch in Japan, das als dicht besiedeltes, sich über mehrere Klimazonen erstreckender Archipel noch viel größere Schwierigkeiten haben dürfte, einen tragfähigen Mix aus regenerativen und ggf. fossilen Energieträgern zu finden.
Natürlich können wir den Menschen raten, weniger Auto und mehr Fahrrad und Zug zu fahren. Das tun bei uns schon viele - und in Japan gefühlt noch mehr. Aber können - sollten und dürfen - wir beispielsweise einem Land vorschreiben, bis zur Lösung des Energieproblems auf wirtschaftlichen Fortschritt zu verzichten? Wieviel unsere materiellen Wohlstands wären wir für so etwas aufzugeben bereit?
Und weiter: Können wir der ganzen Menschheit verbieten, potenziell brisante Phänome zu erforschen?

Falls ja, müssen wir uns auch den positiven Seiten des Fortschritts - Krankheiten verlieren ihren Schrecken, Technik wird sicherer - verabschieden. Falls nein, wird der Einsatz vergleichsweise gefährlicher "Brücken"-Technologien ein Dilemma bleiben. Für welchen Grad an "gutem Zweck" diese dann als Mittel legitim sind, ist und bleibt eine schwierig zu beantwortende Frage.
Also befindet sich in der Brust nicht eine Anti-Atomkraft- und eine Seele für die Menschen. Sondern eine Seele im Angesicht eines apokalyptischen Desasters und seiner ethischen Begleiterscheinungen.

Möge Japan und möge den Menschen dort in diesem Ernstfall das Allerschlimmste erspart bleiben!

Kaizen des Alltags

Bushaltestelle in Japan

Die Liebe der Japaner zum Detail und den Hang, Gegenstände und Technologien bis zur (Über-)Perfektion zu verbessern, ist in der westlichen Welt ebenso legendär wie gefürchtet. Von ihr kündet eine Bandbreite von Phänomenen, angefangen vom liebevoll gestalteten Blumengesteck über den Zen-Garten bis hin zum Design elektronischer Geräte. Jedoch hört die eifrige Suche nach der perfekten Lösung zur freudigen Überraschung des unbedarften Besuchers nicht an der Grenze des Exportierbaren und Bewundernswerten auf.

Zum Beispiel die Sache mit der Dusche: Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, in einem Hotel (oder gar zuhause) Wassertemperatur und Wasserdruck nur abhängig von einander reguieren zu können. Wenn ich mich recht erinnere, ist dies in Europa vielerorts eine Aufgabe von der Komplexität einer Gleichung 4. Grades - und mitnichten immer lösbar. In Japan dagegen, selbst in einem ansonsten nicht sehr exklusiven Studentenwohnhein, macht man es sich unter der Dusche problemlos bequem: Einfach am Durchlauferhitzer die Temperatur des heißen Wassers eingestellt und dann mit einem dafür vorgesehenen Hebel an der Armatur das Wasser mit dem gewünschten Druck aus dem Duschkopf sprudeln lassen. Funktioniert auch nach Beimischung kälteren Wassers. Vor der lästigen Alternative, entweder unfreiwillig zu heiß zu duschen oder alle mitgebrachten Habseligkeiten mit einem schwer zu zähmenden Wasserstrahl alles im Umkreis zu durchnässen, steht hier niemand.

Oder nehmen Sie die Bushaltestelle auf dem obigen Foto. Angenommen, der Bus nähert sich auf der Straße rechts im Bild, was fällt ihnen auf? Richtig, das Wartehäuschen steht richtig herum. Nicht so, dass es die Wartenden vor dem unwahrscheinlichen Fall eines angreifenden Gartenschlauchs aus dem Vorgarten des Hauses hinter ihrem Rücken schützt.  Sondern so, dass Spritzwasser, Schlamm oder aufgewirbelter Dreck von der Straße möglichst abgehalten und so ein tatsächlich geschütztes Warten ermöglicht werden.

Beide Beispiele beinhalten wenig High-Tech und sicher keine nobelpreiswürdige Denkleistung. Aber wenn "wir" so etwas auch könnten, warum tun wir es dann nicht?

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Das habe ich nicht gebucht!

 

Japan ist eine Reise wert. Auch und gerade eine, bei der nicht nur touristische Sehenswürdigkeiten auf dem Programm stehen, sondern die auch einen Einblick in das tägliche Leben und das Tun von Menschen wie einem selbst ermöglicht!

Wirtschaftliche und technologische Motive für einen Besuch im Land der aufgehenden Sonne sind nur allzu offensichtlich: schließlich kamen von dort die PKWs, die gerade Deutschlands stolze Autobauer zeitweilig aus der Bahn kegelten. Dort lernten Roboter, sich wie Hunde und schließlich auch wie Hausdiener zu verhalten. Und die Züge fahren nicht nur schneller, sondern vor allem auch pünktlich ohne Wenn und Aber.

Das Erfolgsheimnis kann ein Besuch vor Ort zwar nicht endgültig erklären. Aber immerhin lässt sich aus Verantwortlichkeit für die jeweilige Aufgabe, Freundlichkeit und nicht zuletzt eine aufrichtige Liebe zum Detail ein Gefühl für das Entscheidende zusammenreimen.
Es gibt Automaten, die einem beim Vorbeikommen ein Heißgetränk anbieten, eine Stimme informiert über die Temperatur des Duschwassers, und im Stadtbus bezahlt man nur für genau die Distanz, für die man ihn auch wirklich benutzt hat.
Der öffentliche Raum ist sauber, die Menschen extrem hilfsbereit (wenn auch sehr zurückhaltend), und selbst ich als Frau denke nicht zweimal darüber nach, im Dunkeln mit Öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren.

Bei genauerem Nachdenken allerdings liegt ein Schatten über diesem Gefühl absoluter Sicherheit. Denn Japan ist Erdbebengebiet, und mein derzeitiger Standort, die Shizuoka-Präfektur, wird eines der Hauptschadensgebiete sein, wenn es losgeht.
"Es", das ist das große Tokai-Erdbeben, benannt nach der Subduktionszone der philippinischen unter die eurasische Platte etwas südwestlich von Tokyo. Für die Dekade von 2000 bis 2010 errechneten Forscher eine Eintritts-wahrscheinlichkeit von 35 bis 45 Prozent.

Erdbeben-Evakuierungsübungen, die nun nach den Beben in Indonesien hier durchgeführt wurden (und auch sonst regelmäßig durchgeführt werden), rufen das Unvermeidliche ins Bewusstsein. Wenn alle Stricke reißen - und das ist wohl mehr eine Frage der Zeit - werden hier in der Gegend über 7000 Todesopfer und 20.000 Schwerverletzte zu beklagen sein. Das habe ich nicht gebucht ;-(
So lange es noch nicht soweit ist, erscheint es aber durchaus spannend, sich mit den praktischen Präventionsmaßnahmen und der Wissenschaft hinter den Voraussagen zu beschäftigen. Dabei ergibt sich nicht zuletzt eine natürliche Anwendungsmöglichkeit des Web 2.0. Ein unvermeidlicher Zynismus kommt hier zum Tragen: Wie schlimm die Beschädigungen durch ein Erdbeben (die sog. "seismic intensity") sind, können nur Menschen beurteilen, keine Messgeräte!

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So soll es sein!

Konzentriertes Arbeiten in einem Seminar (Japan)
Seit einer guten Woche bin ich jetzt in Japan. Und es ist keine dieser Reisen, deren Ende ich herbeisehne und während derer ich mich dauernd des politisch inkorrekten Gedankens erwehren muss: "Die sollten das besser so machen wie bei uns." Im Gegenteil denke ich häufig: "Warum können wir es nicht so machen wie die Japaner?"

Zum Beispiel Reisen: Trotz Dutzender Gäste ist das Riesenhotel, in dem ich meine Nacht auf japanischem Boden verbringe, nicht laut. (Und es ist keinbesonders teures.) Vor dem Einsteigen in den Zug herrscht kein Gedränge, sondern man steht ruhig und gesittet an - getrennt in 2 Reihen für die Raucher- und Nichtraucherwagen. Im Zug dann: Stille. Die Handys sollen auf "lautlos" gestellt werden und man folgt diesem Hinweis offenbar. Gespräche finden statt, aber leise und kurz.

Die Klingel meines Fahrrads habe ich trotz enger Radwege noch kein einziges Mal benutzt. Und auch in Geschäften - wo es häufig so voll ist wie bei uns nur an den Samstagen vor Weihnachten, gibt es keine Rempler, kein Kindergeschrei (aber Kinder!) und schon gar kein Vordrängeln an der Kasse. Selbst Fehleingaben in die Kasse zu meinen Ungunsten werden aus freien Stücken korrigiert!

Auf den Unialltag übertragen bedeutet dies, dass ich mir mit 3 anderen Doktoranden das Büro teilen kann, ohne je aus der Konzentration gerissen zu werden. Auf unserem Gang arbeiten rund 25 Personen - gern auch spätabends und am Wochenende. Das gilt nicht nur für Professoren und Doktoranden, sondern auch für die Studierenden.

Bachelor und Master verfügen je über einen Arbeitsraum am Lehrstuhl "ihres" Profs - und machen davon offenbar regen Gebrauch. Wie eifrig die tatsächliche Zusammenarbeit ist, kann ich nicht beurteilen. Aber man stört sich zumindest nicht und schafft füreinander eine motivierende Atmosphäre. Wenn wir das doch auch so machen würden!

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Diskussionen zu Zukunftsfragen in Bamberg

Am 30. April findet in Bamberg der 4. Wissenschaftstag der europäischen Metropolregion Nürnberg statt.

Hochkarätige Referenten der gastgebenden Universität Bamberg, aber auch von anderen Hochschulen und aus der Praxis, diskutieren Zukunftsthemen und Lösungen für brennende Fragen regionaler und globaler Entwicklung.

Der Wissenschaftstag versteht sich auch als Kontaktaustausch für Wissenschaftler/-innen und Interessierte der Region. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldungen sind noch möglich über dieses Formular.

Psst!

Themen- und Gedenktage gibt es viele. Aber bei kaum einem ist es so schwierig, ihn angemessen zu begehen, wie bei diesem: Der 28. April ist der "Tag gegen Lärm"

Unter dem Motto "Kostbare Ruhe - teurer Lärm" finden an zahlreichen Orten in ganz Deutschland Informations- und Mitmach-Veranstaltungen statt. Ziel ist, wenn man den englischen Namen "Noise Awareness Day" zugrunde legt, den modernen Menschen für ein immer stärker werdendes Problem zu sensibilisieren. Dabei geht es - natürlich - um das Gehör, aber Themen wie "Geräuscharmer Straßenbelag" oder "Verkehrsfreie Wohnsiedlung" lassen die Breite der Themen - und die Reichweite des Problems - erahnen.

Also raus aus den Pumps, rauf aufs Fahrrad und mp3-frei die Strecke zum Veranstaltungsort zurücklegen. Oder gleich bei Zeitungsrascheln und Vogelgezwitscher zuhause bleiben...

Web 2.0 in Berlin

"Natives", interessierte Beobachter und Kritiker des Web 2.0 kommen vom 18.-21. März 2010 in Berlin voll auf ihre Kosten.

Am 18. März lädt InWent, die ehemalige Carl-Duisberg-Gesellschaft zum Thema "Citizen Journalism" ins FAZ-Forum in Berlin ein. Renommierte Redner, vor allem aus Entwicklungsländern, sprechen zur Bedeutung neuer Medien und eines "neuen Journalismus" als Stimme der Benachteiligten.

Mit einem eher leeren Tagungsprogramm beginnt am 20. März das "Politicamp .10". Die Generation der "Digital Natives" lädt Politiker zum Dia- bzw. Multilog ein. Als Besonderheit sind für einen Großteil der Zeit nur Räume reserviert - die es gilt, mit eigenen Ideen und Konzepten zu füllen. 

 

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