sciencegarden Blog

Begriffsabrüstung

Kaum eine öffentliche Äußerung - von Politikern, Wissenschaftlern, Managern -, in der nicht von Kreativität die Rede ist; davon, dass wir mehr von ihr bräuchten, um endlich wieder zur Weltspitze...; dass wir am besten schon im Kindergarten! Und überhaupt seien die heutigen Bedingungen ja ganz furchtbar kreativitätsabträglich. In seinem Essay "Kreativität. Hohe Erwartungen an einen schwachen Begriff" nimmt Hartmut von Hentig die ganze Chose gehörig und intelligent aufs Korn. Er sei hiermit zur Lektüre empfohlen. A propos: Intelligenz - auch so ein "keyword" der Spätmoderne. Wer sich darüber amüsieren will, muss Enzensberger lesen: "Der Irrgarten der Intelligenz. Ein Idiotenführer". Voilà!
Blog-Tags: Intelligenz

Wissenschaft für alle

Wissenschaft ist nicht nur für Wissenschaftler ein mitunter hartes Geschäft, ihre Ergebnisse sind auch für interessierte Laien oft nur schwer verdaulich. Esoterische Fachsprachen verhindern den Dialog mit der Gesellschaft. Die Klaus Tschira Stiftung, die sich der Förderung von Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik verschrieben hat, will diesen Missstand angreifen und lobt jedes Jahr bis zu sechs Preise à 5.000 Euro für verständlich dargestellte Forschung aus. Den PreisträgerInnen winkt zudem eine Veröffentlichung ihrer Beiträge in einem Sonderheft von "Bild der Wissenschaft". Zu den Teilnahmebedingungen geht's hier. Viel Erfolg!

Lehre lernen

Im Jahr 2001 gründete das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg, in dessen Hoheitsbereich so viele Eliteunis liegen wie in keinem anderen Bundesland, das HochschulDidaktikZentrum HDZ. Seit diesem Jahr wird es von den beteiligten neun Universitäten, darunter Freiburg, Stuttgart und Karlsruhe, selbst getragen. Insbesondere junge Lehrende, aber auch arrivierte Professoren (die es häufig nötiger haben...), können dort in einzelnen Veranstaltungen oder in einem berufsbegleitenden Kurs von zwei bis drei Jahren Dauer lernen, wie man eine gute Prüfung abhält, einen spannenden Vortrag hält oder ein Team führt. Dass gute Lehre und gut geschulte Lehrende zur akademischen Exzellenz gehören, spricht sich inzwischen - zum Glück! - immer mehr herum. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft für Hochschuldidaktik e.V. und auf hochschuldidaktik-on-line.
Blog-Tags: Lehre

Vom Aderlass zum Untergang

Der Deutsche an sich hat bekanntlich ein Faible für Melancholisches im Weltmaßstab und Untergangsszenarien aller Art. Da darf ein vorzeitiger Nachruf auf die deutsche Universität, die sich gerade anschickt, zur Elite aufzusteigen, nicht fehlen.

Wer nämlich abseits der Lobreden auf die neuerdings wie Pilzflechte erblühende akademische Exzellenz in unserem Land schaut, traut seinen Augen nicht: Die jungen Nachwuchskräfte verlassen die Universität in Scharen, besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Überall und ganz gleich, mit wem man spricht: Die Ernüchterung ist groß. Und es sind - vorsichtig formuliert - nicht die Schlechtesten, die der Alma Mater spätestens nach der Promotion entsagen, um ihr Glück (und ein halbwegs gefülltes Bankkonto) andernorts zu suchen. Nicht, weil man in Deutschland grundsätzlich keine gute Forschung (mehr) betreiben könnte. Sondern vor allem, weil der einst so attraktive Beruf des Hochschullehrers - für welche anderen Berufe haben Menschen je so große Entbehrungen auf sich genommen? - zunehmend überfrachtet wird: mit bürokratischem Papierkram, Gremiensitzungen und Managementaufgaben. Auf der Strecke bleibt wie immer das Wesentliche. Und die Gehälter sind auch nicht gerade gestiegen (sondern, unter dem Deckmantel der Flexibilisierung nur notdürftig kaschiert, für viele eher abgesackt).

Fazit: Wenn wir nicht Acht geben, wird der dramatische Aderlass der deutschen Universitäten alsbald in einem veritablen Untergangsszenario münden. Und das dürfte nicht nur dem zarten Exzellenzpflänzchen überhaupt nicht gut bekommen.

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