sciencegarden Blog
Warum Gott keine Unikarriere macht
Why God never received tenure at a university
1. Because he had only one major publication.
2. And it was in Hebrew.
3. And it had no cited references.
4. And it wasn't published in a refereed journal or even submitted for peer review.
5. And some even doubt he wrote it himself.
6. It may be true that he created the world -- but what has he done since?
7. The scientific community has had a very rough time trying to replicate his results.
8. He rarely came to class, just told students to read the book.
9. He expelled his first two student for learning.
10. Although there were only ten requirements, most students failed his tests.
11. His office hours were infrequent and usually held on a mountain top.
Titel zweiten Grades
Kristina Köhler heißt die neue Bundesfamilienministerin von der CDU - Dr. Kristina Köhler. Auf die Nominierung des 32jährigen Shootingstars aus Hessen reagierte die Süddeutsche Zeitung heute online mit einem hämischen "Bericht". Köhler, so SZ-Autor Thorsten Denkler unter dem Titel "Das schwarze Netz von Frau Doktor" habe eine - im Wissenschaftsjargon - "klassische Typ-II-Arbeit" verfasst, ein akademisches Werk also, dessen Verfasser, hier: dessen Verfasserin es ausschließlich um den Erwerb des begehrten Titels geht und nicht so sehr um den Fortschritt der Wissenschaft, alldieweil so ein "Doktor" ja viel hermacht vor dem titelehrfürchtigen Wahlvolk. Um neben ihrem 16-Stunden-Tag als Bundestagsabgeordnete überhaupt mit der - so die SZ - "vergleichsweise einfach gestrickt(en)" Dissertation zu Rande zu kommen, habe sich Köhler auf ein ganzes Netz politisch mächtiger Freunde und Förderer sowie hilfswissenschaftlicher Kräfte, zum Teil gegen Bares, verlassen können. Aus Köhlers Dissertationsvorwort zitierend, listet die SZ säuberlich alle diese Helferlein auf - nur um am Ende festzustellen, dass nichts an Köhlers Arrangements anrüchig ist.
Sicher, die meisten Doktorandinnen, die es ernst meinen mit der Wissenschaft, dürften von den Arbeitsbedingungen einer gut vernetzten Abgeordneten nur träumen. Und sehr wahrscheinlich hat Ministerin Köhler mit ihrer 300 Seiten umfassenden Schrift Gerechtigkeit als Gleichheit? Eine empirische Analyse der objektiven und subjektiven Responsivität von Bundestagsabgeordneten auch keine akademische Glanzleistung vollbracht. Aber das trifft auf viele Nachwuchsforscher, die es mit der Wissenschaft ernster meinen, ebenfalls zu.
Man mag von Arbeiten, die nur um des lieben Titels willen geschrieben werden, wenig halten. Besser wäre es, sie würden nicht geschrieben. Anstößig ist an der ganzen Sache aber vor allem eines: dass und wie die SZ mit lustvollem Eifer und gespielter Seriosität Zweifel an den Kompetenzen einer erfolgreichen (jungen) Frau säht.
Welcher strebsame Nachwuchsparlamentarier hätte denn bitteschön keine - privaten, schwarzen, roten, grünen... - Unterstützer nötig gehabt, um zum Beispiel Kinder großzuziehen, Manuskripte zu verfassen und Wissenslücken zu schließen? Wo bleibt das Feuilleton über die wissenschaftlichen Forschungen unseres Bundesaußenministers? Der hat seinen Doktortitel - womöglich vom Typ II? - vor Jahren an der Fernuniversität in Hagen erworben. Unter welchen Umständen, wird uns die SZ hoffentlich bald zu berichten wissen.
Zitat des Tages
"Jeder soll für sich selber sorgen. Jeder soll arbeiten. Alle betrachten sich als Bewerber um Preise, die durch Leistung zu erringen sind. Sie müssen zeigen, was sie können, und wenn sie nichts können oder Pech haben, kommen sie eben unter die Räder. So sieht jeder jeden an. Es kann einer aus einem Wohltäter der Menschheit zu einem Nichts werden, einfach weil die Börse schwankend war. Der hoffnungslos Arme hört auf, Subjekt zu sein, bestenfalls wird er Gegenstand der Sozialpolitik. Er fällt zur Last."
Max Horkheimer: Bemerkungen zur philosophischen Anthropologie, 1935.
"Es ist Deutschland hier"
Noch nicht im Amt, beweist der künftige deutsche Außenminister bereits souveräne Weltläufigkeit. Noch unklar ist hingegen, wie das wirtschaftspolitische Profil der neuen Bundesregierung aus sozialdemokratisierter Merkel-CDU und marktradikalen Freidemokraten aussehen wird. Ginge es allein nach der FDP, dürfte sich die Bevölkerung wohl auf verschärfte "Deregulierung" und Entstaatlichung in puncto Bildung und Wohlfahrt einstellen - und auf neue Freifahrtscheine für die entfesselte Weltwirtschaft.
Wer immer noch rätselt, wie kurz nach Ausbruch der größten Wirtschaftskrise seit den 1920er Jahren eine neoliberale Partei in diesem Land mit derartigem Aplomb an die Macht kommen konnte, dem sei die spannende, nicht nur stilistisch ansprechende Lektüre der von Christoph Buterwegge, Bettina Lösch und Ralf Ptak unter Mitarbeit von Tim Engartner verfassten Kritik des Neoliberalismus - für 12,90 Euro inzwischen schon in der 2. Auflage erhältlich - sehr ans Herz gelegt.
Die Autoren rekonstruieren geistige Grundlagen, Geschichte und das gesellschaftspolitische Programm der weltweit heute vermutlich wirkungsmächtigsten Ideologie, deren Ziel nicht weniger als die "Entthronung der Politik" (Friedrich August von Hayek) ist. Sie erklären, wie es zur globalen Hegemonie des Neoliberalismus gekommen ist, obwohl bereits dessen Prämissen wirklichkeitsfremd und obskur sind, und führen anhand zahlreicher Beispiele aus, wie Privatisierung, Deregelierung und Flexibilisierung aus demokratischen Gemeinwesen postfeudale und repressive Konkurrenzgesellschaften machen.
Das Buch der Kölner Forscher ist ein Musterbeispiel kritischer und engagierter Wissenschaft und ein wertvoller Navigator für die kommende Legislaturperiode und darüber hinaus.
Déjà-vu...
"Der Konformismus, der von Anfang an in der Sozialdemokratie heimisch gewesen ist, haftet nicht nur an ihrer politischen Taktik, sondern auch an ihren ökonomischen Vorstellungen. Er ist eine Ursache des späteren Zusammenbruchs."
Walter Benjamin - Über den Begriff der Geschichte (1939)
James Bond ist ein Physikgenie
"Glaubt eigentlich irgendjemand ernsthaft, dass James Bond ohne Physikkenntnisse noch leben würde?" Diese Frage stellen Metin Tolan und Joachim Stolze, Physikprofessoren an der TU Dortmund und eingefleischte Bond-Fans, in ihrem Buch Geschüttelt, nicht gerührt. James Bond und die Physik.
Tolan und Stolze überführen mit stupendem Detailwissen, eleganten Überlegungen und leichter Feder den Meisterspion und seine halsbrecherischen Aktionen in wissenschaftlich solide Analysen. Auf der Grundlage von Bonds Körpergröße (1,83 Meter) und Gewicht (76 Kilogramm) – der ,James-Bond-Einheit‘ – berechnen die Physiker die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen bei Sprüngen von Kranauslegern (hoch), die Möglichkeit von Verfolgungsjagden auf senkrechten Stahlträgern (vorhanden) und in 5000 Meter Höhe ohne Fallschirm (dito!) sowie die Notwendigkeit von allerlei Spezialanfertigungen (meistens gegeben, aber wenig realistisch). Sie rekonstruieren die Wirkung des mysteriösen ,Atomgeräts‘ aus dem wohl berühmtesten aller Bond-Filme, Goldfinger, und der Röntgenbrille aus Die Welt ist nicht genug, von Raketenrucksäcken (Feuerball) und Laserwaffen (Stirb an einem anderen Tag) und klären so nebenbei auch einige peinliche Filmfehler auf. Außerdem lüften sie das Geheimnis um den wohl berühmtesten Drink der Filmgeschichte (der sich als wahrer Gesundbrunnen entpuppt).
Jede besprochene Filmszene wird zunächst nacherzählt, anschließend "so quantitativ und so detailgenau wie möglich ausgewertet". Am Ende jedes Abschnitts können sich besonders Wissenshungrige dann noch in die "Details für Besserwisser" vertiefen. Dabei geht es den Autoren nicht darum, James Bonds spektakuläre Stunts als Humbug zu entlarven (was sie aber nicht selten dennoch tun...). Vielmehr versuchen sie, Bedingungen anzugeben, unter denen die Filmszenen tatsächlich klappen könnten – oder eben auch nicht.
So dürfte sich, wenn sie denn funktionieren sollte, zum Beispiel die Magnet-Uhr, die Bond zu Beginn von Leben und sterben lassen dazu benutzt, einen Löffel von der Untertasse seines Vorgesetzten M anzuziehen, nicht auf 40 Millionen Grad aufheizen. Dies geschähe jedoch, sobald Bond die für die Magnetwirkung nötige Spezialbatterie von 9.000 Ampere einschalten würde. "Als Konsequenz würde James Bond kurz nach dem Einschalten der Uhr in seine atomaren Bestandteile zerlegt werden und verdampfen." Nach rund 300 Seiten ist für Tolan und Stolze jedenfalls klar, "dass eine solide Physikausbildung für jeden Doppelnull-Agenten offensichtlich lebensnotwendig ist." Manchmal auch etwas mehr als das. Immerhin muss James Bond gelegentlich sogar gekoppelte nichtlineare Differentialgleichungen lösen – in wenigen Sekunden und auf einem Motorrad sitzend, das einem Abhang entgegenrast.
Das reich bebilderte, anspruchsvoll aufgemachte und humorvoll geschriebene Buch ist nicht nur für Bond- und Physik-Freunde ein äußerst kurzweiliger Lesegenuss!
Im Piper-Verlag erschienen, kosten seine 302 Seiten 16,90 Euro. Inzwischen gibt es von Metin Tolans physikalischer Bond-Vorlesung auch eine DVD.
Gute Schreiber
"Wenn jemand in den Sozialwissenschaften ein guter Schreiber wird, dann wird er das sozusagen gegen die Regeln und gegen den akademischen Betrieb, nicht durch ihn. [...] Es ist auch ein interessanter Umstand, daß die am besten lesbaren und interessantesten Sozialwissenschaftler die größte Zeit ihres Lebens außerhalb der Universitäten verbracht haben. Also zum Beispiel: Karl Marx war niemals Professor, Georg Simmel ist Professor geworden, in dem Jahr, bevor er gestorben ist, Norbert Elias hat niemals einen Lehrstuhl gehabt. Diese Leute waren einfach nicht an diese dummen Regeln gebunden, die so tun, als wäre Soziologie oder Psychologie so etwas ähnliches wie Chemie oder Physik."
Zygmunt Bauman
Wählen gehen, Geld verschenken
Dass es neuerdings ein von der Wirtschaft gefördertes "demokratisches Stipendium" gibt, für das sich jede/r bewerben kann, haben wir im letzten November angezeigt. Jetzt soll nach altem demokratischen Brauch das (Web-)Volk entscheiden und zur Abstimmung darüber schreiten, wer von den 543 Kandidatinnen und Kandidaten der ersten Runde ein Stipendium erhält - darunter Mechatronikerinnen, BWLer, Sozialpädagogen und Lehramtsstudentinnen, die von 59 Euro Büchergeld bis hin zu mehreren Tausend Euro Auslandskostenzuschuss alles mögliche beantragen und in ihren Wahlkampagnen gelegentlich sogar zu multimedialer Hochform auflaufen (siehe hier oder dort).
Killer Kant
Immanuel Kant gilt lektüretechnisch als harter Knochen. Ein ordentlicher Brocken ist auch der jüngste Wissenschaftskrimi des Berliner Schriftstellers Jens Johler, der den Titel Kritik der mörderischen Vernunft trägt. Ein scheinbar emotionsloser Killer mit dem Decknamen des großen Aufklärers hat es darin auf Hirnforscher abgesehen, die den freien Willen leugnen. Der Thriller, der in Berlin und London spielt, ist sauber recherchiert und liest sich runter wie die Abschrift eines gut gemachten TV-Krimis mit Henry Hübchen und Maria Furtwängler in der Hauptrolle. Keine Spitzenprosa, aber wirklich gute Unterhaltung. Nur das gelegentliche Product Placement nervt, gehört aber offenbar zum fernsehkompatiblen „Sound“ des Buches.
Selbst wer die Debatte um den freien Willen und die Hirnforschung nicht oder nur kaum verfolgt hat, kommt auf seine Kosten bei diesem 500 Seiten-Schmöker, der die einschlägigen philosophischen Probleme auf spannende Weise mit dem Fortgang der Story verwebt. Im Zentrum steht dabei die Frage: Was darf eigentlich die Wissenschaft? Killer „Kant“ meint: Wir müssen ihren „Terror“ stoppen, weil sie im Verbund mit Pentagon und Wirtschaftslobbyisten (Achtung: Verschwörung!) danach trachtet, den Menschen in einen gefügigen, leicht kontrollierbaren und manipulierbaren Roboter zu verwandeln. Der latent melancholische Wissenschaftsjournalist Troller und seine smarte Freundin Jane heften sich unter Lebensgefahr und mit einschneidenden Folgen für ihre Beziehung an „Kants“ Fersen, der erstaunlich gut ins Raster jener Hirnforscher passt, die mit dem freien Willen auch die Schuldfähigkeit des Menschen radikal in Abrede stellen. Der veritable Showdown des Buches legt einen anderen Schluss nahe.
Jens Johler (2009): Kritik der mörderischen Vernunft. Berlin: Ullstein, 544 Seiten, 9,95 Euro.
Explored, not stirred
Kein Aprilscherz, Ehrenwort: James Bond kommt an die Uni! Und zwar vom 5. bis zum 7. Juni. Dann findet an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken eine internationale Konferenz über Leben, Lieben und Sterben lassen des berühmtesten Geheimagenten der Welt statt, ausgerichtet vom dortigen Institut für Anglistik und Amerikanistik.
Auf der Tagung werden - das Darwin-Jahr lässt grüßen - so pikante Themen verhandelt wie "The evolution of James Bond" oder "James Bond's emotions". Neben seriösen Forschungsfragen, etwa nach Bonds "national identity", scheuen sich die Veranstalter anscheinend nicht, den smarten Top-Agenten auch mit unangenehmen Überlegungen zu konfrontieren: "Is James Bond a serial killer?" Das vollständige Tagungsprogramm mit Links zur Anmeldung gibt es hier.
Bologna in der Diskussion
Am 26.01. des Jahres diskutierte der profilierte Bologna-Kritiker Prof. Wolfgang Eßbach aus Freiburg mit Prof. Klaus Landfried, ehemaliger Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, und der Studentin Imke Buß unter Anleitung von Anja Braun im SWR2-Forum über die Bologna-Reform.
Das differenzierte Gespräch resümiert den Stand der Dinge und erfreut den Skeptiker mit Neologismen wie "Bulimie-learning". Nachhören kann man es hier.
Lexikongigant (fast) für lau
Das Historische Wörterbuch der Philosophie ist ein gedruckter Superlativ. Die 12 Textbände im Lexikonformat gelten – mit rund 3.800 Artikeln und 1.500 Autorinnen und Autoren – als eines der größten geisteswissenschaftlichen Editionsprojekte weltweit und bilden zusammen laut Verlagswerbung „das umfangreichste und bedeutendste philosophische Begriffslexikon aller Zeiten“. Und das ist wahrlich kein PR-Gehuber. Fast jeder, der in Deutschland eine Geisteswissenschaft studiert, hat „es“ im ersten Semester kennen gelernt, seitdem ehrfürchtig bestaunt und immer wieder mit Genuss und Gewinn in die Hand genommen und die eng bedruckten, gehaltvollen Texte beackert. Allein die Anschaffungskosten von um die 2000 Euro (Neupreis) verhinderten bisher, dass man sich die alterslose Lexikon-Diva wie andere, aber weitaus günstigere, Nachschlagewerke selbst ins Regal stellte.
Zu ihrem 60jährigen Bestehen offeriert die Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) aus Darmstadt das Standardwerk des Schwabe-Verlags, das sie in Lizenz vertreibt, nun für kurze Zeit zu einem sensationellen Preis. Der dürfte – Liebhabergefühle vorausgesetzt – womöglich auch notorisch klamme Studierende und Doktoranden zum Nachdenken anregen.
Im „HWPh“, so das liebevolle Kürzel des Geistes-Giganten, werden alle wichtigen Begriffe der Philosophie behandelt, Namen von Schulen und Richtungen ebenso wie die philosophischen Termini der Gegenwart und der Philosophiegeschichte, aber auch philosophisch relevante Begriffe angrenzender Fachgebiete wie Theologie, Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Politik, Jurisprudenz und sogar der Naturwissenschaften. Unter den Einträgen kommt die Manie ebenso zu Wort wie Liebe und Logik. Auch Altphilologen, Historiker und Germanisten haben an diesem Werk gewiß Freude. Die begriffsgeschichtliche Darstellung zeigt die Herkunft und Genese der Begriffe auf und beschreibt den Wandel ihrer Bedeutung und Funktion im Laufe der Jahrhunderte. Und weil das Editionsprojekt bereits 1971 begann, aber mit einem Vierteljahrhundert Verspätung erst 2005 abgeschlossen werden konnte, dokumentiert es darüber hinaus auch eine Begriffs-Geschichte in sich selbst. Dennoch sind alle Artikel einheitlich aufgebaut, dafür aber unterschiedlich lang und – wie sollte es bei einem derart massiven Editionsprojekt anders sein – unterschiedlich gut lesbar. Neben zahlreichen Literaturbelegen wird jeder Artikel durch Literaturhinweise abgerundet. Der Registerband bietet über 30.000 Verweise einschlägiger philosophischer Termini auf die Artikel des Gesamtwerks und zu jedem Artikel sind ergänzende Nachbarartikel angegeben. Die beigefügte CD-ROM beinhaltet den Text aller 13 Bände, inklusive Volltextsuche und erweiterte Suchfunktionen.
12 Textbände und ein Registerband (nur geschlossen beziehbar), zusammen über 9182 Seiten mit etwa 3800 Stichwörtern, Fadenheftung, Ganzleinen, CD-ROM kosten vorübergehend nur noch € 798,-. Einzige Voraussetzung: die – allerdings günstige – Mitgliedschaft bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft.
Promotionsqualen
"Zum erstenmal begegnete mir hier etwas, was ich bei jeder späteren Arbeit
wieder erfahren habe: Bücher nützen mir nichts, solange ich mir die
fragliche Sache nicht in eigener Arbeit zur Klarheit gebracht hatte. Dieses
Ringen um Klarheit vollzog sich nun in mir unter großen Qualen und ließ mir
Tag und Nacht keine Ruhe. Damals habe ich das Schlafen verlernt, und es hat
viele Jahre gedauert, bis mir wieder ruhige Nächte geschenkt wurden. Nach
und nach arbeitete ich mich in eine richtige Verzweiflung hinein. Es war zum
erstenmal in meinem Leben, dass ich vor etwas stand, was ich nicht mit
meinem Willen erzwingen konnte. […] Oft hatte ich mich damit gerühmt, dass
mein Schädel härter sei als dickste Mauern, und nun rannte ich mir die Stirn
wund, und die unerbittliche Wand wollte nicht nachgeben. Ich sagte mir oft
selbst, dass es ganz unsinnig sei. […] Aber Vernunftgründe halfen nichts.
Ich konnte nicht mehr über die Straße gehen, ohne zu wünschen, dass ein
Wagen über mich hinwegführe."
Edith Stein (1891- 1942)
Aus dem Leben einer jüdischen Familie, Edith Stein Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 226f. (Danke an Marcus Knaup aus Freiburg für den Hinweis auf das Zitat.)
Früher
"Die Universitäten ermöglichen es jungen Menschen, eine Reihe von Jahren außerhalb aller gesellschaftlichen Gruppen und Verpflichtungen zu stehen, wirklich frei zu sein."
Hannah Arendt (1906-1975)
Nida-Rümelin über Philosophie in Deutschland
In seinem Beitrag "Philosophie ohne Sinn" vom 16. Januar kritisiert Patrick Spät in sciencegarden, dass der akademischen Philosophie in Deutschland durch den Bologna-Prozess systematisch das für ihr Selbstverständnis konstitutive Staunen ausgetrieben werde.
In der SZ legt nun der im Januar neu gewählte Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, Julian Nida-Rümelin, seine Sicht der Dinge dar. Zwar habe die Philosophie ihren Status als Königsdisziplin schon längst verloren, räumt Nida-Rümelin ein, sei aber gesellschaftlich immer noch hoch angesehen und als Orientierungsinstanz gefragt. Bedenklich stimme hingegen, dass das Fach in Deutschland - das in den letzten 300 Jahren "nahezu die Hälfte der relevanten philosophischen Literatur beigesteuert hat" - an den Schulen ein Mauerblümchendasein friste.
Der Ex-Kulturstaatsminister verweist im Interview auch auf die besonderen Schwierigkeiten, denen die Philosophie im Exzellenz-Wettbewerb mit anderen Wissenschaften ausgesetzt ist. So gilt unter graduierten Denkern das Buch immer noch als publizistische Krönung, offizielle Rankings zählen jedoch nur - meist englischsprachige - Artikel. Hier ist Änderungsbedarf dringend angezeigt.


