DAS WEISSE BAND

Der herausforderndste Film der letzten Jahre ist fraglos DAS WEISSE BAND von Michael Haneke: Ästhetisch herausragend; politisch, historisch, psychologisch, pädagogisch, theologisch ein Schwergewicht. Im Perlentaucher ist dazu nun eine heiße Debatte entbrannt, die geschlossene Düsternis von Hanekes Film stößt auf begründeten Protest. Der Film ist einerseits auf die Formel "Hitchcock & Fontane" zu bringen, aber schaut man das Realismus-Konzept von Fontane an, ist sie zugleich völlig falsch. Fontane verweigerte das nur Negative als künstlich und auch fatal in der Wirkung. Die Abneigung gegen die Filme von Haneke beruhen aber -- meiner Meinung -- auf einem ästhetischen Irrtum. Es geht doch in der Kunst nicht vor allem darum, was zwischen den Figuren passiert! Sondern: Was zwischen Kunstwert, dem Film, und dem Zuschauer geschieht. Stellt man sich auf diese komplexere Art der Kunstrezeption ein, fordert der hermetische Pessimismus von DAS WEISSE BAND geradezu heraus. Haneke geht vom distanzierten Zuschauer aus, der weiterhin selbst denkt. Und bedenkt man, das Nietzsche im Pfarrhaus groß wurde und auch Gudrun Ensslin, dann erzeugt der Film ganz neue Sichtweisen. Das würde er nicht, wenn er "nur" Fontanes Konzeption folgte.

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