Zitat des Tages II

"Der künstliche Charakter der menschlichen Kommunikation (...) ist dem Menschen nicht immer voll bewusst. Nach Erlernen eines Codes neigen wir dazu, seine Künstlichkeit zu vergessen. Hat man den Code der Gesten gelernt, denkt man nicht mehr daran, dass Kopfnicken nur für jene 'Ja' bedeutet, welche sich dieses Codes bedienen. (...) In letzter Analyse ist das der Zweck der uns umgebenden kodifizierten Welt: uns vergessen zu lassen, dass sie ein künstliches Gewebe ist, welches die an und für sich bedeutungslose Natur unserem Bedürfnis gemäß mit Bedeutung erfüllt. Der Zweck der menschlichen Kommunikation ist, uns den bedeutungslosen Kontext vergessen zu lassen, in dem wir vollständig einsam und incommunicado sind, nämlich jene Welt, in der wir in Einzelhaft und zum Tode verurteilt sitzen: die Welt der 'Natur'."

Vilém Flusser: Kommunikologie. (1996) 

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