Unterschriftenaktion gegen neue Semesterzeiten

Regeln setzen bekanntermaßen dann ein, wenn der Verstand aussetzt: Nachdem das hochschulpolitische Vernichtungswerk des letzten Jahrzehnts an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert ist , halten die selbsternannten Reformer umso verbissener daran fest, in der deutschen Hochschule keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Auf Beschluss der Hochschulrektoren­konferenz sollen bis 2011 die Semesterzeiten an deutschen Hoch­schulen vorverlegt werden. Das neue Herbstsemester soll Anfang Sep­tem­ber statt Mitte Oktober beginnen, das Sommersemester Anfang März statt Mitte April. Als abgeschmacktes Argument führen die Reformbürokraten wieder einmal die Steigerung der internationalen Mobilität ins Felde; die Semesterzeiten müssten dazu unbedingt an diejenigen der Nachbarländer angepasst werden. Genau das wird allerdings die gewünschte Mobilität erneut vermindern (so wie alle anderen bisherigen Reformvorgaben auch, die sie angeblich fördern sollten). Eine Gastdozentur in Frankreich im September? Nicht mehr vorgesehen. Der Besuch des amerikanischen Professors im Juli? Aus und vorbei. Wem dieses Narrenwerk genauso stinkt wie dem Konstanzer Literaturprofessor Albrecht Koschorke, kann auf dessen Aktionsseite dagegen unterzeichnen .

http://www.aktion-semesterzeiten.de/

Nachtrag (30.10): Nebenbei bemerkt sollen durch die Verlegung die Vorlesungszeiten wohl insgesamt verlängert werden. Aus Sicht der derzeitigen Wissenschaftspolitik macht dies durchaus Sinn. Denn für sie, die aus Universitäten Fachschulen, aus Studenten unmündige Schüler und aus Forschern Verwalter macht, hat dies seine berechtigte, da innere Logik. Warum noch eine vorlesungsfreie Zeit, wenn nicht Bildung sondern wirtschaftsoptimierte Ausbildung ihre Marschvorgabe ist? Der letzte Freiraum für eigenen Forschungsdrang und Lektüre abseits der starren und für alle gleichen Seminarliteratur kann so nur als störendes Überbleibsel eines veralteten Bildungsbegriffs betrachtet werden, den es gilt endlich restlos zu beseitigen.

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