Akademischer Kapitalismus
In einem Radiogespräch mit dem Gründer des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Hellmut Becker, sagte der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno vor über 40 Jahren einmal Folgendes:
„Also ich bin völlig der Ansicht, daß der Wettbewerb ein im Grunde einer humanen Erziehung entgegengesetztes Prinzip ist. Ich glaube im übrigen auch, daß ein Unterricht, der sich in humanen Formen abspielt, keineswegs darauf hinausläuft, den Wettbewerbsinstinkt zu kräftigen.“
Und weiter: „Ich kann mich nicht erinnern, daß in meiner eigenen Entwicklung [...] der sogenannte agonale Trieb jene entscheidende Rolle gespielt hat, die ihm zugemutet wird. Das ist im Schulfall eines jener Mythologeme, von denen unser Erziehungssystem nach wie vor voll ist.“
Der Dialog zwischen Becker und Adorno trägt den deftigen Titel "Erziehung zur Entbarbarisierung". Übertragen auf den gegenwärtigen Zustand unserer bolognesierten Elite-Universitäten ist dieses Pathos auch heute noch angebracht. Wir haben die Wahl: zwischen der Barbarei eines ellenbogenbewehrten "akademischen Kapitalismus" (Richard Münch) oder dem Kampf um freie und pluralistische Universitäten, die diesen Namen auch verdienen. "Bologna" ist gescheitert. Machen wir es schleunigst wieder rückgängig!




