sciencegarden Blog

Web 2.0 in Berlin

"Natives", interessierte Beobachter und Kritiker des Web 2.0 kommen vom 18.-21. März 2010 in Berlin voll auf ihre Kosten.

Am 18. März lädt InWent, die ehemalige Carl-Duisberg-Gesellschaft zum Thema "Citizen Journalism" ins FAZ-Forum in Berlin ein. Renommierte Redner, vor allem aus Entwicklungsländern, sprechen zur Bedeutung neuer Medien und eines "neuen Journalismus" als Stimme der Benachteiligten.

Mit einem eher leeren Tagungsprogramm beginnt am 20. März das "Politicamp .10". Die Generation der "Digital Natives" lädt Politiker zum Dia- bzw. Multilog ein. Als Besonderheit sind für einen Großteil der Zeit nur Räume reserviert - die es gilt, mit eigenen Ideen und Konzepten zu füllen. 

 

Biographisches (Lohn)Abstandsniveau

Wer arbeitet soll mehr haben als ein "Transferempfänger", dafür plädiert der Außenminister. Ich plädiere dafür auch! Dass Krankenschwestern und Kellnerinnen, seine liebsten Beispiele, im reichsten Land der Welt schlicht viel zu wenig verdienen, kommt dem Vizekanzler aber leider gar nicht erst in den Sinn. Da Deutschland, anders als andere Länder, sich nicht für einen Mindestlohn entscheiden kann, müssen viele Menschen staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen, obwohl sie die ganze Woche arbeiten. Mit dem Lohnabstandsniveau stimmt also tatsächlich etwas nicht: Es ist zwischen mittlerem Management und denen ganz oben exorbitant und unverhältnismäßig hoch! Es ist unten viel zu gering, weil in den Berufen, die von Frauen (und von Ausländern) ausgeübt werden, ein erniedrigender Lohn gezahlt wird. Von zu hohen Sozialleistungen kann nicht die Rede sein -- wie sonst ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu verstehen? Der Missbrauch staatlicher Leistungen sollte natürlich genauso konsequent verfolgt werden, wie die traditionellen Vergehen der schwarz-gelben Wählerschaft: schwarze Kassen, strategische Parteispenden oder Steueroasen -- alles schadet nämlich denen, die ihre Steuern pflichtbewusst zahlen.

8% der Wählerschaft sehen das zur Zeit ganz anders. Warum? Da hilft vielleicht der exemplarische Blick auf den Außenminister: Abitur, 7 Jahre Jura-Studium, Parteikarriere, noch einmal Uni (Promotion), keine Familie zu versorgen, Beamter & privatversichert (!), nie ein öffentliches Verkehrsmittel gesehen. Wahrscheinlich über die längste biographische Zeit vollfinanziert, beide Elternteile Anwälte. Und das in einer Studienzeit ohne Studiengebühren, ohne rigiden BA-Stundenplan und in einem wohlhabenden, verschlafenen Beamten-Kleinstädtchen. Das ist einerseits eine Glückssituation und dafür muss sich kein Mensch schämen. Andererseits lässt sich aus dieser Erfahrungswelt heraus nicht auf die real existierende Gesellschaft im Jahr 2010 schließen. (Wir haben übrigens auch wieder eine "Familienministerin", die nichts als die Uni kennt.)

Hier fehlt nicht nur die Erfahrung, mit einem Job für ein paar Euro die Stunde ein Leben finanzieren zu müssen oder sogar für eine Familie die Verantwortung zu tragen. Hier spricht ein ganz unreflektiertes, einfach ererbtes kulturelles und ökonomisches Kapital -- und übt sich im Kurzschluss. Nicht nur das Lohnabstandsniveau stimmt nicht; bei einigen Politikern stimmt auch das biographische Abstandsniveau zu denen, die sie vertreten, nicht: es ist zu groß.

Automobile Männlichkeit

Aufklärerische Werbung versucht den Menschen beizubringen, ihr Automobil stehen zu lassen, Carsharing zu betreiben, das Auto zu verkaufen oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das ist preiswerter, bequemer, es vereinfacht den Drogenkonsum und -- vor allem -- es ist umweltfreundlich. Stimmt alles. Aber selbst gegen rationale Argumente sperrt sich oft gerade das Geschlecht, welches vorgibt, rationaler zu sein: die Männer. Die Argumente laufen ins Leere, die Männer haben ungebrochene "Freude am Fahren". Warum bloß?

Es geht hierbei nicht um Logik, sondern um Psychologik. Der 18. Geburtstag ist (nicht nur in ländlichen Regionen) die entscheidende Statuspassage der Männerbiographie. Es ist der Tag, an dem der Junge endlich zum Mann wird; nicht weil er einen Drachen erlegt, sondern weil er den Führerschein erworben hat. In vielen Milieus sind Menschen ohne Führerschein weder Männer, noch ernst zu nehmende Menschen oder Erwachsene. Die "Fahrerlaubnis" ist in Deutschland konstituierender Bestandteil der Männerbiographie, sie ist basaler Identitätsbaustein. Wer die Fahrerlaubnis verliert -- hier ist die Alltagssprache verräterisch! -- muss zum "Idiotentest", der eigentlich Medizinisch-psychologische Untersuchung heißt. Männer ohne die Befugnis ein Auto zu lenken sind im Volk der Autofahrer also gleich Idioten? Ein mysteriöser Kurzschluss!

Die Ökobewegung sollte also weniger Sachargumente anbieten -- die haben auf automobile Männlichkeit wenig Einfluss. Sie sollte anfangen, ein Männerbild zu dekonstruieren, in dem das Auto wichtiger ist als die Liebe, wichtiger als guter Geschmack oder (Umwelt)Ethik. Eigentlich könnte das erste ordentliche Fahrrad, der erste Kuss, der Augenblick, in dem man sein TV verkauft, die ersten rahmengenähten Schuhe oder der erste Whisky die Initiation für Männlichkeit sein. Auch das wäre nicht rational, aber psychologisch ein Fortschritt. Es würde die Damen mehr beeindrucken als ein Scheingeländewagen. Und es wäre: Umweltverträglicher! 

Fotowettbewerb der Studentenwerke

„Wege wagen“ - unter diesem Motto startet am 1. Februar 2010 der zweite gemeinsame Fotowettbewerb der Studentenwerke. Bis zum 8. April können Studierende der 68 Hochschulen aus den Betreuungsbereichen der neun teil nehmenden Einrichtungen ihre Aufnahmen einreichen. Teilnahmebedingungen und weitere Informationen erhalten Sie auf
der Internetseite des Fotowettbewerbs unter www.fotowettbewerb-studentenwerke.de.
Teilnehmende Einrichtungen: Studentenwerke Berlin,  Dresden,  Frankfurt (Oder), Halle,
Leipzig, Magdeburg, Potsdam, Rostock, Thüringen.

Förderpreis: Frauen + Medientechnologie

"Eine Idee besser." Unter diesem Motto schreibt die ARD.ZDF medienakademie den Förderpreis »Frauen + Medientechnologie« 2010 aus. Mit diesem Preis wollen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Frauen motivieren, sich im Rahmen ihrer Praktika, Studienschwerpunkte und Abschlussarbeiten mit technischen Fragestellungen aus dem Bereich der audiovisuellen Medienproduktion und –distribution auseinander zu setzen.

Der Förderpreis richtet sich an Absolventinnen von Hochschulen und Universitäten mit Abschlussarbeiten, die sich mit aktuellen technischen Fragestellungen aus dem Bereich der audiovisuellen Medien befassen. Honoriert werden herausragende Abschlussarbeiten an deutschen, österreichischen und schweizerischen (Fach-) Hochschulen und Universitäten, die nach dem 01.01.2008 eingereicht worden sind. Bewerbungen sind ab sofort online möglich, der Bewerbungszeitraum endet am 28.02.2010.

Weitere Informationen zum ARD/ZDF Förderpreis »Frauen + Medientechnologie« 2010 und das Bewerberinnenportal finden sich unter www.ard-zdf-foerderpreis.de

DRadio Wissen

Am 18. Januar startete das Deutschlandradio einen neuen Sender: DRadio Wissen. Dort gibt es nicht nur Vorlesungen, viel über die virtuelle und reale Welt, sondern als gewollten Nebeneffekt noch etwas anderes: Die wissenschaftliche Sachlichkeit kehrt in die Medien zurück und wirkt als Kritik. Ein Highlight ist es jetzt schon, dass aktuelle Studien -- z.B. die des DIW über Beamtenrenten vers. Angestelltenrenten -- einfach einmal von einer Statistikerin gelesen werden. Und da vergeht einem Hören und Sehen! Wenn das neue Internetradio so weiter macht, dann könnte vielleicht die gegenwärtige Berlusconisierung der deutschen Politik sachlich gebremst werden, allein durch die Konfrontation mit der (nicht-kommerziellen) Wissenschaft. Dem neuen Sender sind also viele viele Fans und Hörer zu wünschen! Und ihm ist auch zu wünschen, dass die Politik sich im Sender nicht einmischen darf ...

 

Zitat des Tages: Raumheizer

"Computer sind im Grunde nur Raumheizer, es sei denn, jemand ist kulturell fähig, sie zu interpretieren."

Jaron Lanier

(im FAZ-Interview, 16.1.2010, S. 33) 

"Öffentliches Interesse"

Die Macht des Fernsehens

"Welche Maßnahmen planen Sie zur Eindämmung des Konflikts im Mittleren Osten ? Oder zur Senkung der Inflationsrate, der Kriminalitätsrate, der Arbeitslosenquote ? Wie sehen Ihre Pläne für den Schutz der Umwelt oder die Verminderung der Gefahr eines Atomkrieges aus ? Was planen Sie, im Hinblick auf die NATO, die OPEC, die CIA, die Bemühungen um eine stärkere Integration von Ethnische Minderheiten und Frauen in das öffentliche und wirtschaftliche Leben und die ungeheuerliche Behandlung der Bahais im Iran zu tun ? Was gedenken Sie zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus zu unternehmen. Ich bin so frei und antworte an Ihrer Stelle: Gar nichts."
Postman, Neil: Wir amüsieren uns zu Tode, 1985.
Grafik: Dieter Schütz/pixelio.de

In einer Teeschale ist immer Frieden

Tee ist ein wunderbares Getränk: ruhiger und kultivierter als Kaffee; vielfältig, nuanciert und feinsinnig. Dies betrifft seinen Geschmack, das Geschirr und auch seine Wirkung. Wer grünen, schwarzen, weißen oder Oolong-Tee trinkt, der nimmt sich heraus aus Beschleunigung und Postmoderne -- in einer Teeschale ist immer Frieden, wie in Japan gesagt wird. Für die Mitglieder dieser stillen Gemeinde hat der Historiker Martin Krieger (Professor in Kiel) nun eine teefeine Kulturgeschichte des Tees verfasst. Der Autor greift historisch und thematisch weit aus. Die Anfänge der Teekultur in China (vor ca. 4000 Jahren), Grundinformationen über die Teepflanze, die Raffinessen des Anbaus, die Verbreitung zuerst in Asien und später in Europa und Amerika werden in ideal proportionierten Kapiteln erläutert. Sowohl die japanische Tee-Zeremonie und einige philosophische Klassiker zum Tee lernt der Leser kennen, als auch die gegenwärtigen gezuckerten Trashvarianten der Lebensmittelkonzerne -- die 290 Seiten geben einen umfassenden Eindruck des Getränkes. Dabei liest sich einiges wie ein Krimi: einerseits die Handelskriege (die "Boston Tea Party"), andererseits der schwierige Weg der Verbreitung des extrem verwöhnten Tee-Strauches, der nicht zu heiße, nicht zu kalte, nicht zu hohe, nicht zu niedrige, nicht zu trockene und nicht zu feuchte Anbaugebiete benötigt. Der Weg vom Anbau über die anspruchsvollen Verarbeitungsschritte, des Handels, der gekonnten Zubereitung bis in die eigene Teeschale ist so erstaunlich, dass man nach der Lektüre des Buches über die Whisky- oder Wein-Enthusiasten nur noch müde lächeln kann! 

Martin Krieger: Tee. Eine Kulturgeschichte. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien: 2009. 

 

 

Übersetzungswettbewerb für Schüler und Studierende

"The Great Depression" lautet das Oberthema eines Theaterstücks, welches das Theater Bielefeld gern übersetzt haben möchte. Aber Achtung, jetzt kommt's: von allen, die dazu Lust haben und sich aufgerufen fühlen. Interessierte Schüler, Studierende und Gruppen bekommen weitere Auskünfte hier.

Ein Preis ist selbstverständlich auch ausgeschrieben!

Bedrückend real

Das Studium ist kein Zuckerschlecken. Diese Erfahrung macht jedenfalls der Zuschauer des Kinofilms "13 Semester", wenn er Momo, der endlich aus der brandenburgischen Provinz weg will und "nach 20 Jahren endlich wieder Moritz heißen", durch diese quälend lange Zahl akademischer Zeiteinheiten begleitet.

Dabei ist es nicht einmal das mit Ach und Krach bestandene Vordiplom, das sich der sympathische Protagonist (Max Riemelt) durch eine ungleiche Freundschaft mit seinem indischen Kommilitonen Raswin halb erschleicht und halb erkämpft. Vielmehr sind es die vielen, kleinen Stiche - die Entscheidung für die Liebe und damit leider gegen den Erfolg oder die Notwendigkeit, sich nach zermürbender Suche schließlich mit einer unpassenden WG zu arrangieren und so sich und den eigenen Werdegang teilweise einem Menschen auszuliefern, mit dem man nichts gemeinsam hat außer dem Bedürfnis nach einer Bleibe -, die den Film so schwer erträglich machen.

Mit einer unerbittlichen Scharfstellung auf Details setzt Regisseur Frieder Wittich die Trostlosigkeit des Studentenlebens in Szene: Wenn "Momo" - wie er immer noch genannt wird, nach einer WG-Party auf der Couch aufwacht, ekelt sich (auch) der Zuschauer davor, die nackten Füße in all das zu stellen, was da auf dem Teppich die ekelhaftesten Assoziationen von Party-Hinterlassenschaften weckt. Und wieviel banaler und deshalb zum Unwohlsein real kann die Ärmlichkeit manches Studentenlebens dargestellt werden, als durch einen männlichen Partner, der während der Beinrasur seiner Freundin in der Badewanne sein Nutellabrot schmiert - unterdessen deren offenbar erfolgreicherer Studienkollege durchs Fenster sieht? Da verwundert es dann auch nicht, dass Momo an seinem 24. Geburtstag die letzten ihm verbliebenen Gefährten mit einem Satz wie eine gedämpfte Haubitze vor den Kopf stößt: "Ich kann im Moment nunmal nicht auf Menschen."

Und die realistische Erzählweise lässt auch den Zuschauer nicht aus der Ödnis des wirklichen Studentenlebens entkommen: filmische Mittel wie Rückblenden werden in "13 Semester" nur selten und dann so auffällig eingesetzt, dass sie statt einer Flucht eher eine Verstärkung der bedrückenden Stimmung bedeuten. So prasseln kurz vor der erlösenden Diplomprüfung alle mühsam gepaukten Formeln und Merksätze mit halluzinatorischen Hall auf Momo ein. Und die Wahl, die Handlung chronologisch zu erzählen, erzeugt spätestens bei der Einblendung "Semester 8" das Gefühl, dass es hier um ein Leiden fast ohne Ende geht.

Zwar gibt es schließlich ein allzu rundes Happy End. Aber davor müssen der Protagonist und sein alter Freund Dirk (Robert Gwisdek) zunächst wieder zusammen finden. Und sich, dem anderen und den Zuschauern gestehen, dass die Uni eine Autobahn ist. Der eine habe irgendwann Angst bekommen, wieder aufzufahren, weil er dann vielleicht merke "dass ich 5 Jahre lang in die falsche Richtung unterwegs war". Und der andere beschreibt seine Uni-Karriere ohne den ihm sonst eigenen Elan als "Überholspur mit 220 Sachen, immer schön Blinker links, Gas rechts" - und fragt sich, ob er nicht mal hätte "aussteigen und sich die Landschaft angucken sollen." Das tut weh in einer Gesellschaft, die vielleicht mit Erfolgreichen und "Losern" umgehen kann. Aber doch nicht mit Zweiflern auf beiden Seiten.

Geschenkgutscheinskeptisches ...

Eine neue Marketingidee bringt Gutscheine der unsympathischen Großketten in alle Läden dieser Ketten. Wer also seinen Scheingeländewagen auftanken fährt, der kann sogleich dort für Möbel, Elektrogeräte, Parfüm, Kaufhäuser und alles andere die Geschenkgutscheine mitnehmen. Der hat immerhin etwas für den Heiligen Abend in der Hand. Das ist aus ökologischer Sicht ein klein wenig besser als die vielen Geschenke, die sofort bei Ebay wieder eingestellt werden oder aus Gründen des schlechten Gewissens ein Jahr im Keller warten. Allerdings könnte es unter dem Weihnachtsbaum zum Tausch dieser Gutscheinkärtchen kommen, ein wunderbar peinlicher Moment! 

Insgesamt aber bleibt das Problem: Was sollen sich Menschen, die im Überfluss einer Wegwerfgesellschaft leben, überhaupt noch schenken? Tankstellengutscheine? Alkohol? Schokolade? Transfairprodukte? Meine Großmutter, meine Eltern, eigentlich auch mich interessieren materielle Geschenke nicht mehr. Dennoch wird geschenkt, aus Gewohnheit. Mit leeren Händen zu erscheinen ist schwer auszuhalten. Schenken bedeutet zu geben -- aber können wir das noch? Oder können wir nur noch kaufen? Und das Annehmen? Das ist ebenso schwer -- verpflichtet uns ein Geschenk nicht auf unangenehme, das Gewissen marternde Weise? Die tiefen Gefühle des Gebens und Annehmens sind lange vom Tauschprinzip zerfressen! 

Entspricht das Weihnachten? Ist das zu ändern? Soll es so bleiben? 

Die Stille des Schnees

Die Stille des Schnees, dachte der Mann, der gleich hinter dem Busfahrer saß. Er hätte zu dem, was er in seinem Inneren empfand, "die Stille des Schnees" gesagt, wenn dies der Beginn eines Gedichtes wäre. Er hatte den Bus, der ihn von Erzurum nach Kars bringen sollte, im letzten Augenblick erwischt. (...) Gleich nachdem der Bus losgefahren war, machte der Reisende am Fenster seine Augen weit auf, in der Hoffnung, vielleicht etwas Neues zu sehen, und betrachtete die winzigen armseligen Krämerläden, die Bäckereien, die verfallenen Teehäuser in den Vierteln an Erzurums Stadtrand. Schon begann der Schnee zu fallen. Er war dichter und großflockiger als der Schnee, der den Weg von Istanbul nach Erzurum über gefallen war. Wäre der Reisende am Fenster nicht so müde von der Fahrt gewesen und hätte er etwas mehr auf die wie Flaumfedern vom Himmel fallenden Flocken geachtet, dann hätte er womöglich den starken Schneesturm, der da aufzog, gespürt und gefühlt, dass er sich auf eine Reise machte, die wohl sein ganzes Leben verändern würde, und wäre umgekehrt (...).

Orhan Pamuk: Schnee. Roman. Hanser, München 2002.  

Gebet um Fortschritt im Studium

"O Gott, Vater und Herr, Schöpfer aller Dinge, unaussprechlich an Größe und Macht, der Du mit wunderbarer Weisheit die ganze Welt eingerichtet hast, wahrer Quell und letzter Grund aller Wissenschaft, verleihe meinem Verstande Einsicht und Klarheit, meinem Willen Fertigkeit und Stärke. Nimm von mir die doppelte Finsternis, in der ich geboren wurde, die Sünde und Unwissenheit. Gib mir Schärfe des Verstandes, Treue des Gedächtnisses, Ausdauer beim Studieren, Gewandtheit im Erklären, Gefälligkeit und Richtigkeit im Ausdruck. Stehe mir bei im Anfange meiner Studien, leite ihren Fortgang und gib dem Schluss eine glückliche Vollendung, der Du als wahrer Gott lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen."

Prof. Hub. Lindemann: Der Akademiker. Gebete und Erwägungen für die akademischen Stände zunächst für Universitätsstudenten. (Mit kirchlicher Druckerlaubnis.) Dülmen i. W., A. Laumann'schen Buchhandlung. (Verleger des heil. Apostol. Stuhles.) Monasterii, die 13. Februarii 1917, S. 228

Virales Marketing (für Weihnachten)

"Wer heute über die Sache des christlichen Glaubens vor Menschen zu reden versucht, die nicht durch Beruf oder Konvention im Inneren des kirchlichen Redens und Denkens angesiedelt sind, wird sehr bald das Fremde und Befremdliche eines solchen Unterfangens verspüren. Er wird wahrscheinlich bald das Gefühl haben, seine Situation sei nur allzu treffend beschrieben in der bekannten Gleichniserzählung Kierkegaards über den Clown und das brennende Dorf (...). Die Geschichte sagt, dass ein Reisezirkus (...) in Brand geraten war. Der Direktor schickte daraufhin den Clown, der schon zur Vorstellung gerüstet war, in das benachbarte Dorf, um Hilfe zu holen, zumal die Gefahr bestand, dass (...) das Feuer auch auf das Dorf übergreifen würde. Der Clown eilte in das Dorf und bat die Bewohner, sie möchten eiligst zu dem brennenden Zirkus kommen und löschen helfen. Aber die Dörfler hielten das Geschrei des Clowns lediglich für einen ausgezeichneten Werbetrick, um sie möglichst zahlreich in die Vorstellung zu locken; sie applaudierten und lachten bis zu Tränen. Dem Clown war mehr zum Weinen als zum Lachen zumute; er versuchte vergebens, die Menschen zu beschwören, ihnen klarzumachen, dies sei keine Verstellung, kein Trick, es sei bitterer Ernst, es brenne wirklich. Sein Flehen steigerte nur das Gelächter, man fand, er spiele seine Rolle ausgezeichnet -- bis schließlich in der Tat das Feuer auf das Dorf übergegriffen hatte und jede Hilfe zu spät kam, so dass Dorf und Zirkus gleichermaßen verbrannten."

Joseph Ratzinger: Einführung in das Christentum. Vorlesungen über das Apostolische Glaubensbekenntnis. 4. Auflage, Kösel, München: 1968, S. 17.   

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